Wolfgang Ketterle hat es geschafft. Am 10. Dezember dieses Jahres wird ihm der Nobelpreis für Physik überreicht. „Wuulfgäng” , wie ihn die Kollegen in seinem Labor nennen, ist ein ebenso erfolgreicher wie smarter Wissenschaftler, der 1986 am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in München seinen Doktor gemacht hat. Jetzt ist Wuulfgäng auch für die Medien interessant. Schön wäre es, wenn der nette Mann, der seit 1990 in den USA arbeitet, die Gelegenheit beim Schopf packt, um seinem Fach Physik in Deutschland zu mehr Ansehen zu verhelfen. Dass hier Defizite herrschen, offenbart sich tagtäglich. So brüstete sich der Moderator der Frühstückssendung des Fernsehsenders „neun live” bei der Präsentation von Ketterles Coup, von Physik keine Ahnung zu haben, ja das Fach zum Glück nur ein halbes Jahr in der Schule genossen zu haben. Hätte er das mal lieber länger betrieben. Mit einem naturwissenschaftlichen Studium müsste er sich auch nach der Fernsehkarriere, die nicht selten abrupt endet, keine Sorgen um die berufliche Zukunft machen: Beste Aussichten auf dauerhafte Arbeit würden sich ihm erschließen – überdurchschnittlich honoriert. Ein Studium der Physik, der Chemie oder der Informatik sowie Ingenieurausbildungen jeder Art bereiten die allermeisten besser auf das Berufsleben vor, als es eine Lizenz im Dampfplaudern je kann. Diese Ausgabe von bild der wissenschaft plus will deshalb Schülerinnen und Schüler motivieren, sich intensiver mit Naturwissenschaften auseinander zu setzen, trotz der von vielen kritisierten drögen Physik- oder Chemiestunden.
Das bdw-plus Forscher live verdankt seine Entstehung der ideellen und finanziellen Unterstützung von vielen Organisationen und etlichen Unternehmen. Ein Wissenschaftler engagierte sich besonders: Joachim Treusch, seit 1990 Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich. In seiner motivierend frischen Art legte er zusammen mit bild der wissenschaft den Grundstein für dieses Heft und erwarb sich zudem Verdienste als Anzeigenakquisiteur. Wer Physik studiert hat, wie Prof. Dr. Treusch, schlägt sich offensichtlich auch als Medienmann gut. Ein Grund mehr, sich Forscher live anzuschauen.





