An jenem Septembermorgen war LIGO (Laser Interferometer Gravitational-wave Observatory) noch im Testbetrieb. Die Messphase sollte erst einige Tage später beginnen, denn nach einer fünfjährigen Pause war LIGO für 205 Millionen Dollar verbessert worden. Drago glaubte zunächst nicht an ein Signal – es war zu stark angesichts der üblichen “Ausschläge”. Er dachte, es sei zu Testzwecken ins System eingespeist worden, doch dies war nicht der Fall. Und heimliche Einspeisungen weniger Eingeweihter (“blinde Injektionen”) wären zu diesem Zeitpunkt unsinnig gewesen. Sie wurden in früheren Jahren mehrmals gemacht, um die Analyseprozeduren und die gesamte Teamarbeit zu testen – erst nach dem Abschluss aller Auswertungen folgt die Aufklärung.
Nachdem Drago das LIGO-Team informiert hatte, begann eine fieberhafte monatelange Test- und Analysephase. Und der Versuch, sie geheim zu halten, was auch leidlich gelang. Denn ein Resultat bekannt zu machen, das sich später als falsch herausstellt, wollte sich niemand leisten. Zu viel stand auf dem Spiel.
Schwarze Löcher im Doppelpack
Am 18. September 2015 begann die offizielle Messkampagne von LIGO. Bis zum 5. Oktober brauchten die Forscher, um überhaupt das Untergrundrauschen beider Detektoren hinreichend zu charakterisieren. Dann begann die Analyse. Es dauerte lange, bis das Signal interpretiert war und sich alle möglichen Störquellen ausschließen ließen. Seine statistische Signifikanz beträgt 5,1 Sigma – das entspricht einer falschen Alarmrate von einem Ereignis alle 203.000 Jahre. (5 Sigma ist das etablierte Kriterium für eine physikalische Entdeckung.) Der intensivste Teil des Signals dauerte nur 0,2 Sekunden und war in beiden Detektoren mit einem Signal-zu-Rauschen-Verhältnis von 24 gemessen worden – mehr als das Doppelte der üblichen Störquellen. “Das ist der erste direkte Nachweis von Gravitationswellen und die erste Beobachtung einer Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher”, schreibt das LIGO-Team in der Zusammenfassung ihres Fachartikels “Observation of Gravitational Waves from a Binary Black Hole Merger” in den renommierten Physical Review Letters.
Das LIGO-Team konnte auch den finalen Spin (Drehimpuls) des Schwarzen Lochs bestimmen. Er beträgt 0,67. Das ist relativ hoch. 0 bedeutet kein Spin, 1 den theoretischen Maximalwert, bei dem das Schwarze Loch quasi lichtschnell rotieren würde – was aber strenggenommen eine unsinnige Aussage ist, weil es keinen Vergleichspunkt gibt. Denn der Raum um das Schwarze Loch ist nicht statisch, sondern wird quasi mit herumgezogen wie zäher Honig beim Umrühren.





