Das Carsharing soll vor allem in den Städten eine umweltfreundlichere Alternative zum eigenen PKW bieten. Dabei besitzt man kein Auto mehr, sondern teilt sich die Nutzung frei verfügbarer Leihautos. Der Standort des nächsten verfügbaren Wagens, der Zugang und die Abrechnung werden dabei meist durch eine Handy-App vermittelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Leihautos verringern den Parkplatzbedarf, senken die Zahl der Autos in den Ballungsräumen und können noch dazu die Emissionen verringern, wenn die Fahrzeuge Elektroautos sind – so jedenfalls die Theorie.
Was macht ein Carsharing-Angebot erfolgreich?
In der Praxis allerdings kommt das Carsharing nicht recht in Gang und erlebt sogar Rückschläge. Nachdem mehrere Autohersteller und Serviceanbieter den günstige Wachstumsprognosen für solche Angebote gefolgt sind und Carsharing-Dienste mit teils unterschiedlichen Konzepten lancierten, mussten gleich mehrere wieder aufgeben – es rentierte sich nicht. Aber warum? Die möglichen Gründe dafür haben nun Rüdiger Hahn von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und seine Kollegen näher untersucht. Für ihre Studie befragten die Forscher potenzielle und tatsächliche Nutzer sowie Nichtnutzer eines Carsharing-Angebots in Stuttgart nach den Gründen für ihre Annahme oder Ablehnung. Anhand von 2820 Einzelbewertungen analysierten sie anschließend, welche Merkmale für Konsumenten am relevantesten sind.
“Unsere Ergebnisse enthüllen, dass eine positive Einstellung gegenüber dem Carsharing allein noch nicht bedeutet, dass die Menschen diese Angebote auch annahmen”, berichten die Forscher. “Stattdessen liegt der Schlüssel in der Kompatibilität des Angebots mit der Lebensweise und den Bedürfnissen der potenziellen Nutzer.” Anders ausgedrückt: Ob ein Carsharing-Dienst erfolgreich ist oder nicht, hängt von den konkreten Modalitäten des Angebots ab – vom Bezahlungsmodus angefangen über den Fuhrpark bis zum Service. Und genau an diesem Punkt sind viele bisherige Anbieter gescheitert: “Es wurde klar, dass das Angebot nicht zu den tatsächlichen Mobilitätsbedürfnissen der angesprochenen Zielgruppe passte”, berichten die Studienleiter Marion Büttgen und Adrian Lehr von der Universität Hohenheim.
Flexibel, elektrisch und mit vollem Service
Konkret offenbarten die Befragungen: Gewünscht sind Angebote, die dem sogenannten Free-Floating-Konzept folgen. Dabei können Fahrzeuge an jedem beliebigen Ort im Stadtbezirk abgeholt und abgestellt werden, ohne an feste Stationen gebunden zu sein. Beim Preismodell bevorzugen die potenziellen Nutzer eine feste monatliche Gebühr als “Flatrate” für beliebig viele Fahrten gegenüber einer Abrechnung jeder einzelnen Fahrt. Wichtig ist offenbar auch die Art der Fahrzeuge: Ein Großteil der Teilnehmer gab an, Carsharing lieber mit Elektroautos nutzen zu wollen. “Diese Vorliebe für elektrische Fahrzeuge muss nicht notwendigerweise nur auf ein erhöhtes Umweltbewusstsein zurückgehen”, sagen die Forscher. Stattdessen könnte die E-Mobilität als Ausdruck eines modernen, hippen Lebensstils attraktiv sein.





