Seit etwa 1980 ist die Menge des Treibhausgases Methan in der Atmosphäre kaum angestiegen ? sehr zur Verwunderung der Klimaforscher. Zwei Forscherteams von der University of California in Irvine präsentieren nun unterschiedliche Erklärungen für das rätselhafte Phänomen: Der Trend spiegelt die geringere Abhängigkeit vom Öl und die bessere Verwertung von Erdgas wider, sagen Forscher um Murat Aydin. Ein Team um Fuu Ming Kai kommt dagegen zu dem Schluss, dass sich die fossilen Emissionen nicht verändert haben. Ihrer Meinung nach sank der Methangehalt, weil der moderne Reisanbau schlechtere Lebensbedingungen für Methanbakterien bietet.
Methan (CH 4), der leichteste Kohlenwasserstoff und Hauptbestandteil von Erdgas, ist nach Kohlendioxid das wichtigste vom Menschen erzeugte Treibhausgas. Es entsteht bei unvollständiger Verbrennung von Biomasse oder fossilen Brennstoffen, wird aber auch von Bakterien bei Fäulnisprozessen und in der Landwirtschaft produziert. Wiederkäuer, Termiten, Müllkippen, Feuchtgebiete und Reisfelder dünsten allesamt Methan aus. Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Menge des Gases in der Atmosphäre mehr als verdoppelt, was vor allem auf den Verbrauch fossiler Brennstoffe und auf die Landwirtschaft zurückgeführt wird.
Doch 1980 kam der Anstieg für fast drei Jahrzehnte zum Stillstand ? eine Entwicklung, für die Atmosphärenforscher bislang keine rechte Erklärung fanden. Die beiden kalifornischen Forscherteams trugen daher neue Daten zusammen, um das Rätsel zu lösen. Murat Aydin und seine Kollegen untersuchten den Gehalt des Gases Ethan in Luftbläschen in Schnee aus Grönland und der Antarktis. Ethan, ebenfalls ein Kohlenwasserstoff, wird wie Methan bei Verbrennungsprozessen, bei der Erdöl- und Gasförderung freigesetzt, aber nicht durch Mikroben. Die Forscher stellten fest, dass sich die Ethan-Emissionen vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1980 nahezu verdoppelten, danach aber stark abfielen. Die Forscher führen das auf die wachsende Bedeutung von Erdgas zurück. Auch durch sauberere Technologien bei der Erdölverarbeitung seien weniger leichte Kohlenwasserstoffe in die Atmosphäre geblasen worden, vermuten Aydin und seine Kollegen.
Das zweite Team um Fuu Ming Kai untersuchte den Anteil verschieden schwerer Kohlenstoff-Isotope im Methan zwischen 1979 und 2005. Mit Hilfe eines Modells wollten sie so den Quellen des Methans auf die Spur kommen. Denn Methan, das von Mikroben stammt, ist beispielsweise leichter als Methan aus fossilen Quellen. Die Forscher kommen zu einem ganz anderen Ergebnis als ihre Kollegen. Ihrer Studie zufolge ist die Methan-Stagnation mindestens zur Hälfte auf geringere mikrobielle Emissionen in der Landwirtschaft zurückzuführen. Vor allem im Reisanbau habe es Änderungen gegeben: Durch den Einsatz von Dünger und schnellwachsenden Reis-Sorten werden die Felder nicht mehr so lange überflutet. Das vermindert die Aktivität methanproduzierender Fäulnisbakterien.
Auch wenn die Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen, seien beide ernst zu nehmen, schreibt Martin Heimann vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena in einem Kommentar. Beide seien in sich konsistent und mit den jeweiligen Beobachtungen kompatibel. ?Im Augenblick würde ich keiner den Vorzug geben?, sagt der Forscher. Um die Methan-Emissionen weiter im Zaum zu halten, sei es wichtig, die Quellen des potenten Treibhausgases genau zu identifizieren. Zumal sich in den letzten Jahren sich eine Trendwende andeutet: Seit 2006 scheint sich in der Atmosphäre wieder mehr Methan anzusammeln.
Murat Aydin (University of California, Irvine) et al.: Nature, Bd. 476, S. 198, doi:10.1038/nature10352 Fuu Ming Kai (University of California, Irvine) et al.: Nature, Bd. 476, S. 194, doi:10.1038/nature10259 wissenschaft.de – Ute Kehse





