Berichte, dass am Himmel vorbeischießende Meteore zu hören sind, gehören nicht länger ins Reich der Phantasie. Ein australischer Astroforscher kann jetzt den physikalischer Effekt erklären und ihn in Laborexperimenten bestätigen, der dem Phänomen zugrunde liegt. Theoretisch wäre es nicht möglich, einen weit entfernten Meteor zu hören, während man ihn sieht: Der langsamer reisende Schall würde mindestens fünf Minuten länger bis zur Erde brauchen als das Bild, das mit Lichtgeschwindigkeit eintrifft.
Doch nicht Töne des Meteors sind es, die ein Beobachter am Boden hört, so Colin Keay, Physiker an der australischen University of Newcastle . Vielmehr hört man Effekte, die sehr niedrigfrequente Radiowellen in Materialien der Umgebung des Beobachters hervorrufen: Dünne Drähte, Aluminiumfolie, aber auch Fichtennadeln oder trockenes Haar können aufgrund der Wellen zu vibrieren beginnen und Töne von sich geben. “Starke, niedrigfrequente Ströme können gewöhnliche Dinge buchstäblich zum Schwingen bringen”, bestätigt auch Dennis Gallagher, Astrophysiker am NASA Marshall Space Flight Center.
Radiowellen, ob mit einer Frequenz von bis zu 30 KiloHertz oder hochfrequent wie für Radio- oder TV-Übertragungen, reisen ebenfalls mit Lichtgeschwindigkeit. Hochfrequente Wellen schwingen aber viel zu schnell, um Gegenstände zum Vibrieren zu bringen. Das Problem der Forscher lag bisher in der fehlenden Erklärung, warum ein Meteor niedrigfrequente Radiosignale abgeben sollte.
“Es war ein kniffliges Problem”, berichtet Keay, der in den 70er Jahren mit seiner Forschung an den so genannten “elektrophonen Meteor-Geräuschen” begann. Er stützte sich auf eine astrophysikalische Theorie, die Sonneneruptionen mit verwundenen magnetischen Feldern erklärt. Keay erklärt, dass ein Meteor oder Meteorit, der durch die Erdatmosphäre rast, die Luft um sich herum zu einem Plasma wandelt, zu einer Wolke ionisierten Gases. Plasmen können Magnetfelder “einfangen und mitschleppen” und sie verwirbeln.
“Das Plasma [im Schweif mancher Meteore] wirbelt so schnell herum, dass das Magnetfeld durcheinandergeraten kann wie Spaghetti”, so Keay. Kühlt das Plasma ab und kehren Elektronen zu den ionisierten Atomen zurück, so ist das Magnetfeld plötzlich frei, sich wieder auszurichten. Und dabei, so der Physiker, werden niedrigfrequente Wellen abgegeben. In Laborversuchen konnte Keay mit solchen Wellen sogar eine Brille zum Vibrieren bringen.
Dörte Saße





