Teilchenphysik und Kriminalroman – eine gewagte Mischung! Doch der preisgekrönte Schweizer Journalist und Buchautor Linus Reichlin knüpft aus der Exaktheit der Wissenschaft und der Spannung des menschlichen Zusammenlebens virtuos eine skurrile Geschichte, die man gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Sein kauziger Kommissar träumt davon, sich nach der Pensionierung dem „ Doppelspalt-Experiment” zu widmen. Dieser Grundversuch der Quantentheorie steckt voller Rätsel: Er zeigt, dass ein Elementarteilchen gleichzeitig durch zwei Spalte hindurchtreten und mit sich selbst wechselwirken kann. Wenn allerdings jemand kontrolliert, welchen Weg das Teilchen nimmt, verhält es sich, wie es der gesunde Menschenverstand erwartet: Es tritt nur durch einen einzigen Spalt.
Vor verwirrenden Rätseln steht auch der Leser des Buchs: Wurde ein Ehepaar, das innerhalb weniger Tage stirbt, von den Gebeten seiner Adoptivkinder getötet – oder ist es das Opfer einer seltenen Krankheit? Wurde eine schöne Blinde nach einem Schlangenbiss von einer Geistheilerin kuriert – oder von einem heimlich gespritzten Gegengift? Der Leser kann eindeutige Antworten nur finden, wenn er seine Erfahrungen einbringt – wenn er also eingreift. Die komplizierte Physik erklärt Reichlin in der Story ganz nebenbei. Und er zeigt, wo die Wissenschaft an ihre Grenzen stößt.
Das packende Buch ist weit mehr als ein Krimi. Intelligent und überzeugend geschrieben, voller lebenspraller Figuren und mit origineller Handlung, verfasst in klarer brillanter Sprache – das ist höhere Literatur. Klaus Jacob
Linus Reichlin DIE SEHNSUCHT DER ATOME Eichborn, Berlin 2008 359 S., € 19,95 ISBN 978-3-8218-5835-7





