Eine merkwürdige Eigenschaft des Kuiper-Gürtels besteht darin, dass er in einer Entfernung von 50 Astronomischen Einheiten von der Sonne (eine Astronmische Einheit entspricht 150 Millionen Kilometern, dem Abstand zwischen Sonne und Erde) plötzlich abbricht. Ähnlich wie bei den Saturnringen könnte die Schwerkraft eines größeren Objektes diese Lücke verursachen, glaubt Lykawka. Seinen Berechnungen zufolge müsste sich dieser “Super-Pluto” in einer Entfernung von 100 bis 170 Astronomischen Einheiten aufhalten und eine Umlaufzeit von 1.000 bis 2.500 Jahren haben. Solch eine Bahn könnte auch eine Erklärung für Kuiper-Gürtel-Objekte mit extrem langgestrecktem Orbit liefern, wie die des Kleinplaneten Sedna, der der Sonne auf seiner Bahn bis auf 76 Astronomische Einheiten nahe kommt, sich dann aber bis auf 975 Astronomische Einheiten entfernt. Nach den Berechnungen Lykawkas könnten Sedna und noch einige weitere Eisbrocken durch die Einwirkung von Planet X auf solch eigenartige Bahnen gelangt sein.
Viele Astronomen halten es durchaus für möglich, dass ein Objekt wie Lykawkas Planet X bislang im Verborgenen blieb. Erst jetzt unternehmen die Forscher Anstrengungen, die letzten Winkel des Sonnesystems systematisch mit neuen Teleskopen zu durchkämmen. Streit um den Planetenstatus würde es wohl nicht geben: Wenn Lykawkas Vermutungen zutreffen, erfüllt Planet X die neue Planetendefinition der Internationalen Astronomischen Union: Er dürfte eine runde Gestalt haben, auf einer eigenen Bahn um die Sonne reisen und seine Umlaufbahn von kleineren Trümmerstücken freigeräumt haben.





