Auf der Erde sind Vulkane allgegenwärtig. Auf jedem Kontinent ragen Feuerberge in den Himmel, etwa 550 sind in historischer Zeit ausgebrochen. Und auf dem Mond? Große Schildvulkane, wie sie typisch für Erde und Mars sind, gibt es dort nirgendwo. Aber: „ Die meiste Zeit seiner Existenz war der Mond immer wieder vulkanisch aktiv”, sagt Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie an der Universität Münster. Das begann vor mehr als vier Milliarden Jahren. Zeugnis davon gibt zum Beispiel das Mare Imbrium, das „Regenmeer”: Sein ovaler dunkler Fleck beherrscht die nördliche Vorderseite. „Dort gibt es Lavaströme, die viel länger sind als auf der Erde, trotz der geringeren Hangneigungen entlang der einstigen Fließrichtung”, sagt Hiesinger. Bis zu 1200 Kilometer weit pflügten die heißen Gesteinsmassen durch die Mondlandschaft. Die Lava muss viel dünnflüssiger gewesen sein als üblicherweise auf der Erde.
Hat der gewaltige Einschlag, der das Imbrium-Becken vor etwa 3,9 Milliarden Jahren schuf, den Vulkanismus dort verursacht? Es steht zwar fest, dass danach mindestens einige Hundert Millionen Jahre lang immer wieder Lava austrat. Doch Hiesinger ist skeptisch. Um als Erklärung für die jüngsten Imbrium-Lavaströme herzuhalten, liege das Impakt-Ereignis zu lange zurück. Gleichwohl, räumt der Mondexperte ein, dürfte der Einschlag die Kruste geschwächt und dem Magma den Weg nach oben erleichtert haben.
Heisse Lava in tiefen Schluchten
Seltsame mäandernde Schluchten, Rillen genannt, haben die Mondforscher lange Zeit genarrt: Viele spekulierten, dass dort einst Wasser floss. 1971 landeten die Astronauten von Apollo 15 dann direkt neben der 80 Kilometer langen und bis zu 300 Meter tiefen Hadley-Rille. Seit dieser Vor-Ort-Inspektion wissen die Planetologen: Dort floss niemals Wasser, sondern vielmehr sehr heiße, dünnflüssige Lava. Wie bei einem Flussbett grub sie sich in den Untergrund. Solche Rillen können auch „Dächer” aus erstarrter Lava besitzen. Darunter vermag die Lava noch einige Zeit weiter zu strömen. „Deshalb gibt es heute noch vulkanische Höhlen auf dem Mond”, sagt Hiesinger. Mehrere Eingänge wurden bereits aufgespürt. Der japanische Mondsatellit Kaguya fand im vergangen Jahr den ersten: ein 65 Meter großes pechschwarzes Loch, das mindestens 80 Meter tief in die lunare Unterwelt führt.
Am Westrand des Mare Imbrium ist ein anderes Beispiel für einen Mondvulkan zu besichtigen: Mons Gruithuisen Gamma. Der Berg erhebt sich sanft ansteigend bis zu 900 Meter hoch in den schwarzen Himmel. An seinem Gipfel öffnet sich ein Mini-Krater. Er steht für einen anderen Typus vulkanischer Erscheinungen: Dome. Sie sind kleinere Erhebungen, die manchmal allein, aber meist gruppenweise auftreten. „Wahrscheinlich drang dort silikatreiches Magma, das recht zäh ist, nach oben”, sagt Hiesinger. Das zähflüssige Gestein staute sich schneller an, als es abfließen konnte und türmte so allmählich den Vulkan-Dom auf.
Vulkanische Spuren sind auf dem Mond weit verbreitet. Heute bedecken die Basalte früherer Lavaströme rund 17 Prozent der gesamten Oberfläche. Wann endete diese hitzige Phase? „Das wird kontrovers diskutiert”, räumt Hiesinger ein. „Nach meinen Untersuchungen war in manchen Gegenden erst vor 1,2 Milliarden Jahren Schluss damit.” Warum der kleine Mond nicht schon viel früher erkaltet ist, darüber zerbrechen sich die Forscher bis heute den Kopf. ■





