Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands ist von Wäldern bedeckt. Sie bilden den Lebensraum zahlreicher Tiere, dienen uns Menschen als Erholungsgebiete und liefern der Forstwirtschaft Holz. Zudem leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz: Bei der Photosynthese binden die Bäume große Mengen CO2 und speichern es für Jahrzehnte in ihrer Biomasse. Werden die Wälder allerdings zerstört, sei es durch Waldbrände, Trockenheit oder Insektenbefall, setzen sie den gespeicherten Kohlenstoff frei. Seit 2017 sind die deutschen Wälder dadurch von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle geworden. Besonders verheerend waren die Dürrejahre 2018 bis 2020. Der Wassermangel hat die Bäume so geschwächt, dass sie sich bis heute nicht vollständig erholt haben und anfälliger für Schädlinge sind.
Gesundheitsinventur im Wald
Um die Gesundheit der Wälder zu überwachen, gibt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat jährlich eine Waldzustandserhebung heraus. Der jetzt veröffentlichte Bericht für 2025 zeigt: Die Wälder in Deutschland sind weiterhin stark geschädigt. In manchen Bereichen lassen sich leichte Verbesserungen beobachten, in anderen dagegen geht es weiter bergab. „Trotz der vergleichsweise günstigen Witterung mit mehr Regen vor allem im Juli 2025 ist der Zustand der Bäume immer noch schlechter als in den Jahren vor der großen Dürre 2018 bis 2020“, berichtet Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut für Waldökosysteme, die die Erhebung geleitet hat. „2025 sind die sichtbaren Nadel- und Blattverluste der Baumkronen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und haben sich in der Gesamtschau im Vergleich zum Jahr 2024 nur wenig verändert.“
Für die Erhebung haben die Forschenden den Zustand von 46.531 in ganz Deutschland verteilten Bäumen in einem Raster von acht mal acht Kilometern bewertet – etwa viermal so viele Bäume wie in den Vorjahren. „Das erhöht die statistische Sicherheit unserer Aussagen“, sagt Wellbrock. Erfasst wurden insgesamt 38 Baumarten. Mehr als drei Viertel der bewerteten Bäume zählten zu einer der vier Hauptbaumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche. Als Maßstab für die Gesundheit der Bäume dient die sogenannte Kronenverlichtung. Null Prozent Verlichtung bedeutet eine vollständig belaubte Baumkrone, bei 25 Prozent Verlichtung fehlt ein Viertel der normalerweise zu erwartenden Blatt- oder Nadelmasse. Liegt die Kronenverlichtung darüber, sind die Bäume bereits deutlich in ihrer Vitalität geschwächt.
Baumkronen weiterhin ausgedünnt
Der aktuelle Waldzustandsbericht zeigt: Im Vergleich zu 2024 hat sich die mittlere Kronenverlichtung über alle Baumarten hinweg kaum verändert. 2025 lag der Wert bei 25,2 Prozent, im Vorjahr bei 25,7 Prozent. Buchen und Fichten waren 2025 etwas besser belaubt als 2024: Bei Buchen ist die mittlere Kronenverlichtung von 28,5 Prozent auf 25,6 Prozent gesunken, bei Fichten von 27,2 Prozent auf 25,2 Prozent. Kiefern und Eichen dagegen erreichten die schlechtesten Werte seit Beginn der Auszeichnungen im Jahr 1984. Bei Kiefern stieg die durchschnittliche Verlichtung von 22,5 Prozent auf 24,2 Prozent, bei Eichen von 29,3 Prozent auf 30,1 Prozent. Von den über 60-jährigen Eichen waren 59 Prozent zu mehr als einem Viertel entlaubt.
Neben den Nachwirkungen der Trockenperiode und von Waldbränden tragen auch biologische Ursachen wie Schädlinge zu den Waldschäden bei: „Wir gehen davon aus, dass die Bäume nach wie vor unter Schädlingen wie dem Eichenprachtkäfer und anderen sogenannten Eichenfraßgesellschaften leiden“, sagt Wellbrock. Nur 13 Prozent der Eichen weisen eine vollständige Belaubung auf. Über alle Baumarten hinweg liegt der Anteil intakter Baumkronen bei 21 Prozent. Das heißt, nur etwa jede fünfte Baum ist vollständig gesund.
Eine positive Nachricht ist jedoch, dass t im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Bäume komplett abstarben. Demnach sank die natürliche Absterberate von 0,86 Prozent auf 0,29 Prozent. Das kann allerdings auch dadurch bedingt sein, dass insbesondere viele Fichten bereits in den Vorjahren abgestorben sind und in der Stichprobe durch jüngere Bäume ersetzt wurden, wie das Team erklärt.
Quelle: Waldzustandserhebung 2025, Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat





