1985 hat eine eher kleine Eruption des kolumbianischen Vulkans Nevado del Ruiz einen Schlammstrom hervorgerufen, der noch in 75 Kilometer Entfernung die Stadt Armero völlig verwüstete. Solche Ereignisse sind keine Seltenheit.
Schlammströme, wie der in Kolumbien, werden “Lahare” genannt. Ein fließfähiges Gemisch aus vulkanischen Lockergesteinsmassen und Wasser, das sich zum Teil mit großer Geschwindigkeit an den Vulkanflanken talwärts bewegt. Das darin enthaltene Wasser stammt aus der Schnee- und Eisbedeckung des Vulkans selbst. Ein solcher Strom reißt alles Lockermaterial auf seinem Weg mit sich und entwickelt sich so zu einer reißenden, vernichtenden Flut.
Dem Wissenschaftlerteam ist es nun im Gebiet des nordamerikanischen Vulkans Mount Rainier gelungen, das Auftreten zahlreicher Lahare und deren Fließrichtungen während der letzten 10.000 Jahre nachzuweisen.
Für ihre Untersuchungen nutzten die Geologen die physikalischen Eigenschaften des vulkanischen Gesteins aus. In frischem Zustand ist dieses ein schlechter elektrischer Leiter. Wird es jedoch älter, ist es dem zunehmenden Einfluß von Temperatur und Wasser ausgesetzt, was eine so genannte Alteration des Gesteins bewirkt. Derart umgewandeltes Gestein wird weich und instabil und kann zu einem Lahar werden.
Für die Messungen nutzten die Forscher um Finn den Effekt, dass die winzigen wassergefüllten Poren in solchem Gestein die elektrische Leitfähigkeit deutlich erhöhen. Die Forscher haben von einem Helikopter aus mittels Radiowellen die Leitfähigkeit der Gesteine in der Umgebung des Vulkans gemessen und kartiert. Das Ergebnis war eine Karte der Fließrinnen aller bisherigen Schlammströme. Mit dieser Kenntnis ist es nun möglich, die bevorzugten Fließrichtungen – und damit das Lahar-Risiko für die auf diesen Routen liegenden Siedlungen – vorherzusagen und entsprechende Vorsorgemaßnahmen einzuleiten.
Finn hofft, dass mit dieser Untersuchungsmethode künftig schon im Vorfeld (z.B. durch eine gezielte Entwicklung der Infrastruktur) wesentliches zur Minimierung der katastrophalen Auswirkungen von Laharen getan werden kann. (Nature, 409, S. 600-603)
Olaf Elicki





