Der Ätna unterzieht sich derzeit offenbar einer Art Geschlechtsumwandlung: Er verwandelt sich von einem Hotspotvulkan in einen Subduktionsvulkan. Die Indizien, die auf diesen bisher einmaligen Vorgang in der Erdgeschichte hindeuten, schildern Pierre Schiano von der Universität Blaise Pascal und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Nature.
Bei Sizilien verläuft die Nahtstelle zwischen der eurasischen und der afrikanischen Kontinentalplatte. Die meisten
Vulkane der Erde befinden sich in der Nähe solcher Plattengrenzen. Eine der beiden miteinander kollidierenden Kontinentalplatten taucht bei den so genannten Subduktionszonen nach unten ab und schiebt sich unter die andere Platte. Durch Druck- und Temperaturerhöhung tritt Wasser aus dem Mineralgestein der unteren Platte aus und steigt nach oben. Das in das Gestein der oberen Platte eindringende Wasser vermindert dort die Schmelztemperatur des Gesteins. Die Folge: Das Gestein schmilzt, Magma entsteht und steigt zur Erdoberfläche auf.
Dagegen entstehen Hotspotvulkane, wenn heißes Gesteinsmaterial aus sehr großer Tiefe ? vermutlich aus 2.900 Kilometer Tiefe ? nach oben steigt. Man kann diese beiden Vulkanarten anhand der chemischen Zusammensetzung der von ihnen ausgespuckten Lavagesteine unterscheiden.
Die Forscher untersuchten die Lavagesteine, die der Ätna in den letzten 500.000 Jahren produziert hat. Anhand der chemischen Zusammensetzung konnten sie nachweisen, dass ein anfänglich dominantes Hotspot-Gesteinsgemisch mit der Zeit immer mehr durch Subduktionsanteile ersetzt wurde. Die Umwandlung vollzog sich in den letzten 100.000 Jahren und dauert möglicherweise noch an. Für die Umwandlung sprechen auch die explosiven Eruptionen des Ätna, die typisch für Subduktionsvulkane sind.
Axel Tillemans