
Fördertrosse mit Motor, Homestake Mine in Süd- Dakota (Fotos: Thomas Bührke)
Am 21. August 2017 hat sich um die Mittagszeit der Himmel über den USA von Oregon bis South Carolina verfinstert. Aus Anlass dieses kosmischen Spektakels hat sich bild der wissenschaft einen Platz im Kernschatten gesucht, um zusammen mit Lesern die SoFi 2017 zu bestaunen. Unser Autor Thomas Bührke berichtet über den letzten Halt auf der Reise.
Wenn Physiker in den Untergrund gehen, haben sie normalerweise keine illegalen Absichten. Vielmehr machen sie sich auf die Suche nach schwer nachweisbaren Teilchen, wie Neutrinos oder die von Astronomen prognostizierten Partikel der Dunklen Materie. Als letztes Highlight der bild der wissenschaft-Leserreise besuchten wir die Homestake-Mine in Süd-Dakota.
Tief im Innern, in 1475 Meter Tiefe, wies der Physiker Ray Davis Ende der 1960er-Jahre in einem mit 380.000 Litern Perchlorethylen gefüllten Tank erstmals Neutrinos nach, die im Fusionsofen unserer Sonne entstehen und von dort ins All hinausschießen. Überraschenderweise maß Davis 30 Prozent weniger Teilchen als vorhergesagt. Damit war das Sonnenneutrino-Rätsel geboren, das erst Jahrzehnte später gelöst werden konnte. Davis erhielt hierfür 2002 den Physik-Nobelpreis. Sein Experiment ist längst abgebaut, wir fahren dennoch den 1450 Meter tiefen Schacht hinunter, wo empfindliche Messgeräte installiert werden, mit denen Physiker neue Rätsel des Kosmos lösen wollen.
Die Homestake Mine in dem kleinen Ort Lead war die ertragreichste Goldmine Nordamerikas, bis sie 2002 geschlossen wurde. Die Technik, mit der die Förderkörbe noch heute betrieben werden, stammt aus den 1930er-Jahren. Ein 1250-PS-Elektromotor bewegt den an einer dicken, 17 Tonnen schweren Stahltrosse hängenden Förderkorb. Ihm vertrauen wir uns an, als es im Dunkeln mit zehn Kilometer pro Stunde ratternd in die Tiefe geht. Nach zehn Minuten haben wir das Labor erreicht, das kürzlich Davis Campus getauft wurde. Die gesamte Untergrundanlage trägt den Namen Sanford Lab.
Lichtblitze im Xenon-Tank
In der ehemaligen Halle des Davis-Experiments erklärt uns der aus Heidelberg stammende Physiker Markus Horn das im Aufbau befindliche Experiment Lux-Zeplin. Es soll Dunkle Materie, genauer schwach wechselwirkende, materielle Teilchen (Weakly Interacting Massive Particles, kurz Wimp) nachweisen.




Teilchen mit Tarnkappe
