Im Schwarzen Meer hat ein internationales Forscherteam gewaltige von Mikroorganismen aufgebaute Kalkriffe gefunden. Die Entdeckung könnte entscheidenden Einfluss auf das Bild haben, das Wissenschaftler bisher von der frühen Erde und der Entstehung der Biosphäre haben, schreiben der Hamburger Geologe Walter Michaelis und seine Kollegen in “Science” (Bd.297, S. 1013).
Bei einem Forschungstauchgang mit dem U-Boot “Jago” fanden die Meeresforscher die bis zu vier Meter hohen Riffe westlich der Halbinsel Krim in einer Wassertiefe von 230 Metern. Auf den Kalkriffen in der Nähe von Methanquellen gedeihen Bakterien, die Sulfat umsetzen können, in einer engen Lebensgemeinschaft mit so genannten Archaea. Die Archaea sind eine große Gruppe bakterienähnlicher Mikroorganismen, die häufig unter extremen Umweltbedingungen ? beispielsweise in heißen Quellen ? leben.
Bakterien und Archaea sitzen dicht an dicht in riesigen Matten und setzen große Mengen von Methan und dem im Meerwasser reichlich vorhandenen Sulfat um. Dadurch bilden sich enorme Mengen von Biomasse ? und der Kalk als Abfallprodukt. So entstehen im Laufe der Zeit gewaltige Riffe. Das Wasser enthält dort, wo die Mikroorganismen leben, keinen gelösten Sauerstoff. Diese Entdeckung überraschte die Forscher, die bisher annahmen, dass nur Organismen Methan umsetzen können, die dieses Gas reichlich zur Verfügung haben.
In der Erdgeschichte könnte Biomasse somit auch schon in einer Atmosphäre entstanden sein, die noch keinen Sauerstoff enthielt. “Das wirft ein völlig neues Licht darauf, wie die Welt vor etwa 2,3 Milliarden Jahren ausgesehen haben mag, als noch kein Sauerstoff vorhanden war”, sagte Michaelis gegenüber der Nachrichtenagentur ddp. Solche Riffe könnte es auch in den frühen Ozeanen gegeben haben, als Sauerstoff nur ein Spurenelement in der Atmosphäre war, schreiben die Forscher.
ddp/bdw – Cornelia Pfaff





