Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass die hochenergetische kosmische Strahlung, mit der die Erde ständig bombardiert wird, von Supernova-Explosionen stammt. Edward Kolb vom Enrico-Fermi-Institut in Chicago und seine Kollegen glauben dagegen, dass diese Strahlung von zerfallenden superschweren “Monsterteilchen” mit dem Namen Wimpzillas erzeugt wird, wie der NewScientist in seiner Ausgabe vom 1. Juni berichtet. Ihre Berechnungen präsentieren die Forscher im ePrint-Archiv arXiv.org (astro-ph/0105232).
Gegen den Supernova-Ursprung spricht die Tatsache, dass die kosmische Strahlung die Erde relativ gleichverteilt aus allen Richtungen trifft. Die Vertreter dieser Theorie erklären dies allerdings damit, dass die Teilchen auf ihrem Weg zur Erde vielfach von Magnetfeldern umgelenkt werden, weswegen ihre Spur zu einzelnen Supernovae nicht zurückverfolgt werden kann.
Kolb geht davon aus, dass die Wimpzillas kurz nach der Inflationsphase ? der Aufblähphase des Universums nach dem Urknall ? entstanden sind. Ihre Masse soll etwa das Billionenfache der Masse eines Protons betragen. Das erlaubt es Kolb, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Wimpzillas kämen damit nämlich auch als Kandidat für die von den Astronomen vermisste dunkle Materie in Frage.
Die in die Erdatmosphäre eindringende kosmische Strahlung soll aus den Zerfallsprodukten der Wimpzillas bestehen. Demnach soll ein großer Teil der hochenergetischen Strahlung auf Photonen entfallen. Diese Voraussage macht Kolbs Theorie überprüfbar, beispielsweise mit dem noch im Bau befindlichen argentinischen Pierre-Auger-Observatorium.
Der Name Wimpzilla ist von den Wimps abgeleitet, die bereits seit einigen Jahren als Kandidaten für die dunkle Materie gehandelt werden (Wimp = weakly interacting massive particle = schwach wechselwirkendes massives Teilchen).
Axel Tillemans





