Johann Friedrich Böttger (1682–1719), geboren in Schleiz im Vogtland, aufgewachsen in Magdeburg, trat bereits während seiner Apothekerlehre in Berlin als Alchemist und Goldmacher in Erscheinung. Nachdem er dort mit einem Experiment, bei dem er angeblich Gold herstellte, auf sich aufmerksam gemacht hatte, floh er jedoch im Herbst 1701 nach Sachsen, offenbar, weil er vermeiden wollte, bei Hof seine Kunst als Goldmacher vorführen zu müssen. Auch August der Starke brauchte immer Geld, zumal ihn die Wahl zum König von Polen ein Vermögen gekostet hatte und er seit einem Jahr im Krieg mit Schweden lag. So kam ihm die Verfügung über einen Goldmacher gerade recht, der ihm das Material für die Begleichung seiner Schulden liefern sollte.
Böttger wurde nach Dresden überführt, wo er von Ende Mai 1702 an unter strenger Abschirmung und Überwachung in einem Laboratorium im Carlowitz’schen Haus nahe dem Residenzschloss experimentieren musste. Später verlegte man das Laboratorium in das sogenannte Goldhaus, in dem im 16. Jahrhundert bereits Kurfürst August von Sachsen (1553–1586) alchemistischen Experimenten nachgegangen war. Nach einem Fluchtversuch im Sommer 1703 wurde Böttger, der den Kurfürst-König mit kleinen Betrügereien und Vertröstungen immer wieder hinzuhalten verstand, auf die Albrechtsburg nach Meißen gebracht, um dort weiterzuarbeiten. Als 1706 die Schweden in Kursachsen einmarschierten, nachdem sie August den Starken in Polen besiegt hatten, wurde Böttger schleunigst auf die Festung Königstein verlegt, damit er und sein alchemistisches Wissen nicht dem Feind in die Hände fallen würden. Von September 1706 bis September 1707 befand sich Böttger dort, ohne allerdings die Möglichkeit zu haben, weiter an seinen Experimenten zu arbeiten.
Als er im September 1707 wieder nach Dresden gebracht wurde, bezog er dort ein kleines, gut bewachtes Haus auf der Jungfernbastei, der heutigen Brühl’schen Terasse, das über eine Treppe Zugang zu Räumen in der Bastei bot, wo sich Labor und Werkstatt befanden. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass sich Böttgers Arbeiten nun nicht mehr um das Goldmachen drehen würden. Vielmehr war im Mai und Juni 1707 mit dem Kurfürsten vereinbart worden, dass bereits früher begonnene Versuche zur Herstellung eines gebrauchsfähigen und vom Aussehen her dem ostasiatischen entsprechenden Porzellans nun verstärkt betrieben werden sollten. Porzellan war – nicht zuletzt aufgrund der sich gerade ausbreitenden Chinoiserie-Mode – in Europa gesucht wie nie zuvor und dementsprechend teuer.
Dabei arbeitete Böttger keineswegs allein im Laboratorium. Bereits bei seiner Ankunft in Dresden Ende 1701 hatte August der Starke ihm mit Gottfried Pabst von Ohain (1656–1729), einem erzgebirgischen Hüttenexperten, und dem Kammerrat Michael Nehmitz (1670–1739) zwei Männer an die Seite gestellt, die Böttger einerseits überwachen, andererseits aber aufgrund ihrer eigenen Kenntnisse seine Arbeiten beurteilen und fördern sollten. 1704 kam mit Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (165–1708) noch ein vielseitig Gelehrter hinzu, der Erfahrungen in den Naturwissenschaften und mit Experimenten hatte. Dass Tschirnhaus 1701 bereits in kurfürstlichem Auftrag eine Studienreise nach Delft und Paris absolviert hatte, um dort die Geheimnisse keramischer Herstellungsprozesse zu studieren, belegt sein frühes Interesse an der Frage der Porzellanherstellung. Vom Herbst 1707 an wurde diese Gemeinschaft Forschender und Experimentierender noch durch den Arzt Jacob Bartolomaei (1670–1742) ergänzt.





