Am 4. Juli haben Menschen erstmals einen Kometen beschossen. Um 7.52 Uhr MESZ prallte eine 360 Kilogramm schwere Kupfersonde mit zehn Kilometer pro Sekunde in einem Winkel von 25 Grad auf den über fünf mal sieben Kilometer großen Kometen 9P/Tempel 1. Was von vielen Medien als spektakulärer Einschlag gefeiert wurde, war in Wirklichkeit ein kleiner Kratzer – vergleichbar etwa mit einem Kühlschrank, den man auf eine Stadt schleudert. Doch ein grandioses Schauspiel war es allemal.
Die Kupfersonde, schlicht Impactor genannt, war tags zuvor von der amerikanischen Raumsonde Deep Impact abgetrennt worden, mit der sie seit dem Start 172 Tage lang und 430 Millionen Kilometer weit unterwegs war. Die Kamera am Bug des Impactors schoss bis zum Aufprall zahlreiche Fotos, sogar noch aus 30 Kilometer Distanz mit einer Auflösung von bis zu vier Metern. Sichtbar wurde ein komplexes Terrain mit glatten und rauen Flächen, Klippen und Kratern.
„Die beim Einschlag erzeugte Hitze betrug einige Tausend Grad. Bei diesen Extremtemperaturen fängt fast jedes Material zu leuchten an. Wir haben gewissermaßen unseren eigenen Fotoblitz eine knappe Sekunde lang erzeugt”, sagt Pete Schulz von der Brown University, Rhode Island. Der Aufprall setzte mehrere Zehntausend Tonnen an Gas und Staub frei, die mit fünf Kilometer pro Sekunde ins All stoben. Aus der geringen Transparenz der Wolke schlossen die Forscher, dass die Kometen-Oberfläche aus sehr feinem Material besteht, „eher Talkumpulver als Sand vom Strand”, wie es Chefwissenschaftler Michael F. A’Hearn von der University of Maryland beschrieb. „Die Oberfläche ist weicher als der feinste Pulverschnee”, stimmt H. Jay Melosh von der University of Tucson zu. Der Einschlagsort war also nicht oder kaum vereist, und der Komet scheint recht porös zu sein. Der entstandene Krater dürfte größer sein als erwartet, 50 bis 200 Meter – fotografieren konnte ihn Deep Impact allerdings nicht, da sich der Staub nicht schnell genug setzte.
Auch viele Teleskope auf der Erde und im Orbit verfolgten das Spektakel und maßen einen Helligkeitsanstieg um mindestens das Vierfache im optischen und im Röntgen-Bereich. Die Staubwolke erstreckte sich über 2000 Kilometer weit ins All und verflüchtigte sich nach einigen Tagen wieder. Gesteigerte Wassergasausbrüche waren nicht auszumachen, was dafür spricht, dass der Komet weniger einem schmutzigen Schneeball ähnelt, wie angenommen, als einem eisigen Staubball.





