Vor drei Jahren entdeckte der Japaner Jun Akimitsu die supraleitenden Eigenschaften der chemischen Verbindung Magnesiumdiborid. Jetzt haben Wissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft die weltweit erste technische Anwendung des Materials vorgestellt: Das Team um Wilfried Goldacker entwickelte für den japanisch-amerikanischen Forschungssatelliten ASTRO-E2, der nächstes Jahr starten soll, einen 0,3 Millimeter dicken Draht. Er dient dort als Stromzuführung für ein so genanntes Quantenkalorimeter der NASA, das sehr sensibel Röntgenstrahlung im Weltall misst.
Um eine möglichst hohe mechanische Stabilität zu gewährleisten, wurde der Draht mit einem Edelstahlmantel umgeben. Goldacker: „Wir haben uns für Magnesiumdiborid entschieden, weil die Drähte trotz ihres geringen Querschnitts sehr viel Strom transportieren können und das Material ideal zum Kühlsystem des Satelliten mit einer Betriebstemperatur von minus 256 Grad Celsius passt.” 60 Meter des Drahts wurden bereits an die NASA ausgeliefert und haben dort alle Tests bestanden. Damit ist der Weg frei für die erste technische Anwendung von supraleitendem Magnesiumdiborid – und das nur drei Jahre nach seiner Entdeckung.
Supraleiter zeichnen sich dadurch aus, dass sie unterhalb einer „kritischen Temperatur” elektrischen Strom verlustfrei leiten können. Außerdem können Supraleiter, ohne sich zu erhitzen und gar durchzubrennen, bei gleichem Durchmesser weitaus mehr Strom „tragen” als herkömmliche Drähte.





