Zum ersten Mal haben Astronomen das Nachglühen eines Gammablitzes im sichtbaren Licht beobachtet, ohne dass der Gammablitz selbst entdeckt wurde.
Das gibt uns wichtige Hinweise darauf, wie Gammablitze funktionieren, sagte John Beacom vom Fermi National Accelarator Laboratory, der die Entdeckung zusammen mit Kollegen im “Astrophysical Journal” vorstellt. Experten vermuten, dass die rätselhaften Gammablitze in zwei eng begrenzten, entgegengesetzten Jets abgestrahlt werden, so dass ein Gammablitz nur dann beobachtet werden kann, wenn der Strahl auf den Beobachter zeigt.
Ob das optische Nachglühen ebenso eng begrenzt ist wie die Gammastrahlung oder gleichmäßig in alle Himmelsrichtungen abgegeben wird, ist unter Astronomen umstritten. Die Entdeckung eines “verwaisten Nachglühens” stützt die zweite Theorie.
Das Phänomen aufzuspüren erforderte einen immensen Arbeitsaufwand: Die Forscher untersuchten die Datenmengen des Sloan Digital Sky Survey auf weit entfernte Lichtquellen mit stark nachlassender Helligkeit.
In einer sechs Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie wurden sie fündig: Dort spürten sie ein Objekt auf, dass 1999 etwa hundert Mal heller war als die hellste bekannte Supernova. Bei den Aufnahmen aus dem Jahr 2000 hatte sich die Leuchtkraft jedoch um den Faktor zehn vermindert. Daher konnte das Objekt kein Quasar sein, wie die Forscher zunächst vermutet hatten. Aus der Helligkeit im Verhältnis zur Entfernung und aus den charakteristischen Farben der Leuchterscheinung schlossen Beacom und seine Kollegen, dass sie auf ein Gammablitz-Nachglühen gestoßen waren.
Bislang sind etwa tausend der energiereichen, nur wenige Sekunden dauernden Gammablitze beobachtet worden. Das Nachglühen konnte wesentlich seltener aufgespürt werden: Etwa zwanzig Mal entdeckten Astronomen einen hellen Himmelskörper an einer Stelle, an der ein Satellit zuvor einen Gammblitz beobachtet hatte.
Ute Kehse





