Forscher haben aus Tropfsteinen einer chinesischen Höhle die Geschichte des Monsuns rekonstruiert. Dabei stießen sie auf einen Zusammenhang mit der kulturellen Entwicklung Chinas in den vergangen knapp 2.000 Jahren. So profitierte die Nördliche Song-Dynastie beispielsweise von starkem Monsun, der für die Reisbewässerung genutzt werden konnte. Das führte zu höheren Erträgen bei der Reisernte, was die Bevölkerungszahl anwachsen ließ. Schwache Monsunperioden könnten hingegen zum Untergang von Herrschergeschlechtern wie etwa der Ming-Dynastie beigetragen haben, spekulieren die Forscher um Pingzhong Zhang von der Universität in Lanzhou.
In der zwischen Tibet und dem Lössplateau Nordchinas gelegenen Wanxiang-Höhle stießen die Forscher auf einen Tropfstein, der sich dank seiner Beschaffenheit sehr genau analysieren ließ. Da die Höhle in einem Monsungebiet liegt, spiegelt der Tropfstein, der sich im Lauf der Jahrtausende gebildet hat, Änderungen der Monsunperioden wider. So konnten die Wissenschaftler die Geschichte des asiatischen Monsuns nachvollziehen.
Bei ihren Untersuchungen stellten die Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Monsun und der Temperatur auf der Nordhalbkugel und in China fest. So zeigte sich, dass der Monsun während der mittelalterlichen Warmzeit vom 9. bis zum 14. Jahrhundert sehr stark war und während der daran anschließenden sogenannten kleinen Eiszeit eher schwach. Der in dieser Zeit schwach ausgeprägte Monsun könnte auch zum Niedergang der Ming-Dynastie Mitte des 17. Jahrhunderts beigetragen haben, erklären die Forscher. Während dieser Epoche kam es immer wieder zu Missernten. Hungersnöte und Bauernaufstände waren die Folge.
Der Zusammenhang zwischen der Temperatur auf der Nordhalbkugel und dem asiatischen Monsun änderte sich allerdings seit etwa 1960. Vermutlich wird der Monsun seitdem stärker durch Treibhausgase wie Kohlendioxid und Schwebeteilchen in der Luft beeinflusst, die vom Menschen produziert werden.
Pingzhong Zhang (Lanzhou-Universität in China) et al.: Science, Bd. 322, S. 940. ddp/wissenschaft.de ? Sonja Römer





