Einige der spektakulärsten Vormenschen-Funde stammen aus dem östlichen und zentralen Äthiopien, einer heutzutage ziemlich trostlosen Gegend. Als die ersten Werkzeugmacher lebten, sah das Land aber noch anders aus: Damals fiel mehr Regen und große Säugetiere weideten auf einer mit Gras bewachsenen Flussebene. Ansonsten war die Gegend größtenteils bewaldet, berichten Forscher um Jay Quade von der University of Arizona in der Zeitschrift GSA Bulletin (Bd. 116, Nr. 11, S. 1529).
Quade und seine Kollegen untersuchten vor allem ein Gebiet namens Gona, in dem die ältesten
Steinwerkzeuge der Welt gefunden wurden. Die Ablagerungen gaben den Forschern zum einen Aufschluss darüber, wie die Landschaft damals aussah. Durch die Verteilung verschieden schwerer Kohlenstoff-Isotope konnten sie zum anderen schließen, wie die Verteilung von Wald zu Grasland war.
Die Werkzeuge tauchen relativ abrupt in 2,58 Millionen Jahre alten Ablagerungen auf, berichten die Forscher. Darunter befand sich eine Lücke in den Ablagerungen von 200.000 Jahren. Womöglich könnten deshalb noch in anderen Schichten mit einem Alter von 2,6 bis 2,9 Millionen Jahren Steinwerkzeuge auftauchen.
Als Material für die Werkzeuge benutzten die frühen Hominiden abgerundete Kiesel aus dem Flussbett. Sie stellten die Artefakte aber nicht unmittelbar am Flussufer her, sondern im Schwemmland rund um das Gewässer. Wie die Forscher berichten, wurde die Gegend im Lauf der Zeit immer trockener. Vor 1,6 Millionen Jahren war Gona schon zur Hälfte von Grasland bedeckt.
Ute Kehse