Das La-Silla-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile ist um ein technisches Meisterwerk reicher: Ein robotisch betriebenes Teleskop unterstützt dort künftig zwei ältere Teleskopmodelle auf der Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Außerdem soll TRAPPIST (Transiting Planets and Planetesimals Small Telescope) Daten über Kometen auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne liefern und beispielsweise die molekulare Zusammensetzung der von ihnen ausgestoßenen Gase untersuchen. Zu diesem Zweck ist es mit speziellen großen und hochqualitativen Filtern ausgestattet. Gesteuert wird das Teleskop von einem Kontrollraum im 12.000 Kilometer entfernten Lüttich in Belgien. Einmal programmiert muss es dabei die ganze Nacht lang nicht mehr gewartet werden.
Geradezu sensationell ist nach Ansicht beteiligter Wissenschaftler schon die Geschwindigkeit, mit der das Projekt TRAPPIST realisiert wurde. Durch eine Kooperation der belgischen Université de Liège und des Schweizer Observatoire de Genève vergingen es von der Bauentscheidung bis zur Aufnahme des Beobachtungsbetriebs gerade einmal zwei Jahre.
Die Forscher versprechen sich viel von dem in Leichtbauweise konstruierten Teleskop, das einen Hauptspiegeldurchmesser von 60 Zentimetern hat: ?Erdähnliche Gesteinsplaneten sind der richtige Ort, um außerhalb unseres Sonnensystems nach Leben zu suchen. Und von Kometen wird vermutet, sie könnten bei der Entstehung und Entwicklung des Lebens auf der Erde eine entscheidende Rolle gespielt haben?, erklärt Emmanuël Jehin von der Université de Liège.
Jahr für Jahr sollen nun mehrere Dutzend Kometen beobachtet sowie sogenannte Exoplaneten entdeckt werden. Um diese weit entfernten Planeten aufzuspüren, vermisst das Teleskop winzige Helligkeitsschwankungen. Diese entstehen, wenn der Planet von der Erde aus gesehen vor seinem Mutterstern vorbeiwandert und dadurch das Licht des Sterns kurzzeitig abschirmt. Das La-Silla-Observatorium ist für derartige Beobachtungen besonders gut geeignet, da es sich am Rand der chilenischen Atacamawüste befindet, wo die vom Menschen verursachte Lichtverschmutzung äußerst gering ist.
Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht