von THORSTEN DAMBECK
Anders als der Mars ist die Venus dauerhaft in eine dicke Schicht aus Wolken gehüllt. Jahrhundertelang konnte deshalb kein Fernrohr diesen überall blickdichten Schleier durchdringen. Deshalb war völlig unbekannt, wie es darunter aussieht.
Erst automatische Raumsonden konnten das Geheimnis lüften. Landegeräte der Sowjetunion, die bis zum Boden vordrangen, maßen eine höllische Temperatur; sie beträgt im Mittel 464 Grad Celsius. Die heiße Oberfläche lässt sich jedoch auch aus der Umlaufbahn erforschen, denn Radarwellen können mühelos die Venuswolken durchdringen. Aus den Echos lassen sich Ansichten erstellen, die ähnlich wie Fotos die venusischen Landschaften zeigen. Dies geschah ab Ende der 1970er-Jahre. Besonders erfolgreich war die Magellan-Sonde der NASA, die zwischen 1990 und 1994 die Venus umkreiste, sie zu 98 Prozent mit Radarwellen abtastete und dabei noch wenige 100 Meter große Details abbildete.
Vulkanischer Planet
Inzwischen steht fest: Die Venus ist stark vulkanisch geprägt. 90 Prozent des Planeten sind mit basaltischem Material bedeckt. Es gibt Vulkane unterschiedlicher Formen: vom kilometerhohen Schildvulkan bis zu zahllosen kleineren Vulkankegeln. Hinzu kommen die längsten Lavaströme im Sonnensystem. Allerdings sind die meisten dieser Strukturen viele Jahrmillionen alt. Der Vulkanismus galt als erloschen.
An dieser Annahme mehrten sich in den vergangenen Jahren jedoch Zweifel. So konnte ein Team um Suzanne E. Smrekar vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) im kalifornischen Pasadena bereits 2010 mit den Infrarotmessungen der europäischen Sonde Venus Express den Verwitterungsgrad von erstarrten Lavaströmen abschätzen und so eine Obergrenze für deren Alter angeben: 2,5 Millionen Jahre – das ist, geologisch gedeutet, eher jung.
2023 berichteten Robert R. Herrick von der University of Alaska in Fairbanks und Scott Hensley vom JPL zudem von einem Gelände am nördlichen Hang des acht Kilometer hohen Vulkan Maat Mons, wo sich die Radarechos der Magellan-Sonde geändert hatten. (Es gibt Gebiete, die Magellan mehrfach observiert hat, was einen Zeitvergleich ermöglicht.) Allerdings blieben Zweifel, ob sich Veränderungen nicht lediglich durch die unterschiedliche Beobachtungsposition der Sonde ergeben haben.
Seit Mai 2024 haben sich die Indizien weiter erhärtet, wie Davide Sulcanese von der italienischen Universität Chieti-Pescara und sein Team in der Fachzeitschrift nature astronomy berichten. Auch diese Studie basiert auf den Magellan-Radaraufnahmen. Bei der neuerlichen Datenauswertung wendeten die Forscher eine Korrektur an, die den Einfluss unterschiedlicher Beobachtungswinkel dämpft. Dabei fielen zwei rund 9.500 Kilometer voneinander entfernt liegende Gebiete auf. Wieder offenbarte der Vergleich zweier unterschiedlich alter Datensätze – vom Frühjahr 1991 oder früher und aus dem Jahr 1992 – auffällige Veränderungen. In beiden Vulkangebieten gab es bei den späteren Überflügen eine stärkere Rückstreuung, was auf eine frischere und glattere Oberfläche hindeutet.





