Zementklumpen im Urzeitsediment
Als Forscher in der Nähe der Ortschaft Rietoog in Namibia Ausgrabungen durchführten, stießen sie im Sediment der sogenannten Nama Group auf Relikte von Kalksteinriffen aus dem Ediacarium. Die rund 550 Millionen Jahre alten Ablagerungen bestanden auf den ersten Blick aus den typischen, hügelartigen Mikrobenriffen dieser Zeit. Doch nähere Untersuchungen enthüllten, dass dazwischen auch Kolonien von Cloudina saßen – kleinen, Kalkröhren bildenden Mehrzellern. Und diese röhrenförmigen Tiere nutzten die zementartige Masse, die sie aus dem gelösten Kalzium des Meerwassers erzeugten, offenbar auch zum Riffbauen: “Benachbarte Cloudina-Röhren sind durch Klumpen und Fäden aus Zement miteinander verbunden”, beschreiben die Forscher ihre Funde. Zudem nutzten die Tiere diesen Zement auch dazu, sich auf der Oberfläche oder auf den Hüllen von Artgenossen festzuheften. Im Laufe der Zeit führten diese Zementausscheidungen dazu, dass langsam ein Riff heranwuchs.
Mindestens ein Teil des in Namibia entdeckten präkambrischen Riffkomplexes stammt daher nicht von Mikroben, sondern von dem Mehrzeller Cloudina, so das Fazit von Penny und ihren Kollegen. Damit ist dieses fossile, 550 Millionen Jahre alte biologische Bauwerk das bisher älteste bekannte Mehrzeller-Riff. Nach Ansicht der Forscher könnte dies darauf hindeuten, dass es wahrscheinlich schon im Ediacarium von Vorteil war, sich gegen Fressfeinde durch diese Art von gemeinsamem Kalkskelett schützen zu können. Die Lebenswelt dieser ersten Epoche der Mehrzelligkeit war daher vermutlich vielfältiger und ökologisch komplexer als bisher angenommen.





