Blätter, Fraßspuren und ein Wasserläufer
Im Gestein fanden die Forscher versteinerte Blätter von 34 verschiedenen Landpflanzenarten, darunter Nadelbaumgewächsen, Ginkgos und besonders vielen Exemplaren einer den Palmfarnen ähnlichen Pflanzengruppe. Einige fossile Blätter dieser Pflanzen wiesen deutliche Fraßspuren von Insekten auf. “Solche Fraßspuren sind zwar unter Fossilienfunden durchaus häufig und vielfältig, doch im späten Jura sind sie vergleichsweise selten”, erklären Nel und seine Kollegen. Die jetzt entdeckten Spuren seien daher eine willkommene Ergänzung. Aus der Form und Länge der Fraßspuren schließen die Forscher, dass eine Insektenlarve sie hinterlassen haben muss. Weil die Blätter der Pflanze sehr hart waren, könnte es sich dabei um eine Käferlarve behandelt haben, da diese relativ starke Kiefer besitzen. Nach Angaben der Forscher belegen diese Funde, dass die Region an der Rhone im späten Jura nicht komplett überschwemmt war, sondern tatsächlich, wie vermutet, Inseln und trockene Uferzonen umfasste.
Noch spannender allerdings war ein weiterer Fund, den die Paläontologen in einem der neuen Aufschlüsse bei Orbagnoux machten: Im Kalkstein erhalten war auch das Fossil eines rund 150 Millionen Jahre alten Wasserläufers – und damit des ältesten bekannten Exemplars dieser Insektengruppe. Das rund sechs Millimeter lange, geflügelte Tier besaß nach hinten gedrehte Hüften, die darauf hindeuten, dass seine Beine an das Umherlaufen und Gleiten auf der Wasseroberfläche angepasst waren, wie die Forscher berichten. Sie tauften die zuvor unbekannte Gattung dieses Wasserläufers Gallomesovelia – Gallo für Frankreich, Mesovelidae für Wasserläufer. Diese Urzeit-Wasserläufer lebten vermutlich am Ufer der Meereslagune oder an einem Brackwassertümpel in dessen Umgebung und jagten auf der Wasseroberfläche ihre Beute.
Die neuen Fossilfunde im französischen Plattenkalk wecken die Hoffnung, dass dort noch weitere, ähnlich wertvolle Funde zu erwarten sind wie im bayrischen Solnhofen. “Der exquisite Zustand dieser Fossilien deutet darauf hin, dass diese Aufschlüsse eine wichtige Konservatlagerstätte für das späte Jura in Westeuropa werden könnten”, so die Paläontologen. Als Konservatlagerstätte bezeichnet man in der Paläontologie Fossilfundstellen, die besonders gut erhaltene und vollständige Relikte enthalten.





