Bislang stellten sich Paläontologen den Urvogel Confuciusornis sanctus meist als eine Art Paradiesvogel vor: Auf Illustrationen ist das Tier, das vor 120 Millionen Jahren im heutigen China lebte, meist in ein farbenprächtiges Federkleid gehüllt. Doch in Wirklichkeit ähnelte Confuciusornis wohl eher einer Amsel mit hellen Flügeln, berichtet jetzt ein internationales Forscherteam. Der Körper des Vogels war von braunen oder schwarzen Federn umhüllt, die Flugfedern und die langen Schwanzfedern waren heller.
Die Forscher um Roy Wogelius wendeten eine neue Methode an, um der Färbung längst ausgestorbener Vögel auf die Spur zu kommen: Sie setzten mehrere besonders gut erhaltene Fossilien aus der Kreidezeit der intensiven Röntgenstrahlung eines Synchrotrons aus. So wollten sie herausfinden, wie bestimmte Spurenelemente in den Fossilien verteilt waren, zum Beispiel Kalzium, Kupfer, Zink und Kobalt. Kupfer erwies sich als besonders interessant, weil es in dunklen Farbpigmenten, den Melaninen, vorkommt. Diese Pigmente verleihen schwarzen und braunen Haaren, aber auch braunen Augen ihre Färbung.
Die Untersuchungen zeigten, dass Kalzium wie erwartet vor allem in den Knochen zu finden war. Zink kam vor allem in dem Gestein rund um die Fossilien vor. Beim Confuciusornis-Fossil fand sich Kupfer vor allem in den versteinerten Federn. Allerdings nicht überall: Vor allem die Daunenfedern am Körper des Vogels enthielten viel Kupfer, die Flugfedern dagegen nur an den Spitzen. “Unsere Methode erlaubt es nicht, konkrete Farben zu ermitteln, sondern nur die Konzentration und Verteilung von Pigmenten”, sagt Peter Dodson, einer der Autoren. “Aber wir können Muster erkennen und zum Beispiel Schlüsse über die Tarnung eines Tiers ziehen.”
Um nachzuweisen, dass die Kupferteilchen tatsächlich Überreste von Farbpigmenten sind, untersuchten die Forscher noch weitere Fossilien und auch Federn heutiger Vögel mit der Synchrotron-Methode. Auffällige Kupfer-Häufungen fanden sie zum Beispiel im Tintensack eines versteinerten Tintenfischs und in den Augen fossiler Fische.
In den letzten Jahren haben Paläontologen bereits einige Fortschritte dabei gemacht, die Färbung von Dinosauriern zu rekonstruieren. So hatten sie zum Beispiel in einigen Fossilien mikroskopisch kleine Farbbeutel innerhalb von Zellen entdeckt, sogenannte Melanosomen. Aus deren Form konnten sie indirekt auf die Färbung schließen. Allerdings überleben diese winzigen Zellbestandteile den Prozess der Versteinerung häufig nicht. Die neue Methode von Wogelius ist wahrscheinlich robuster: Das Kupfer, das vor 120 Millionen Jahren ein Bestandteil der Federn war, wird von Bakterien nicht angetastet und bleibt im Gestein, auch wenn die komplexen Pigment-Moleküle sich zersetzen.
Roy Wogelius (University of Manchester, Großbritannien) et al.: Science, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1126/science.1205748 wissenschaft.de – Ute Kehse





