Auf dem Erdmond scheint mehr zu passieren, als Wissenschaftler lange dachten. Darauf deuten Spuren von Ausgasungen hin. Die größte Teil der Oberfläche unseres Trabanten wird auf mehr als drei Milliarden Jahre geschätzt. Es gibt allerdings Anzeichen von Vulkanismus noch vor zwei Milliarden Jahren und – zumindest am Lichtenberg-Krater – scheinen Lavamassen sogar vor einer Jahrmilliarde ausgeflossen zu sein. Noch viel jünger ist die Ina-Struktur im Mare Lacus Felicitatis. Ein amerikanisches Forscherteam um Peter Schultz von der Brown University, Rhodes Island, datiert sie auf nur eine Million Jahre.
Die Ina-Struktur ist eine 2,8 Kilometer breite und 60 Meter tiefe Senke auf einem 15 Kilometer großen und 300 Meter hohen Berg, die bereits von den Apollo-15-Astronauten im Detail fotografiert wurde. In ihr befinden sich bis zu 25 Meter hohe dunkle Hügel, die von hellem Gestein umgeben sind. Vermutlich wurde der hier fehlende Mondstaub (Regolith) von heftigen Gasausbrüchen aus dem Mondinneren weggeblasen. Auf Inas junges Alter schließen die Forscher aus Spektralmessungen der amerikanischen Clementine-Sonde und aus der geringen Zahl von Kratern im Vergleich mit anderen – mittels Apollo-Mondgesteinsproben absolut datierter – Strukturen.
Der Mond muss demnach auch in jüngerer Vergangenheit noch geologisch aktiv gewesen sein. Dafür sprechen auch spektroskopische Messungen von Polonium-210 der Apollo-Astronauten. Das Isotop entsteht aus dem Zerfall von Radon und hat eine so kurze Halbwertszeit, dass es in den letzten 60 Jahren freigesetzt worden sein muss.





