von THORSTEN DAMBECK
Es war ein seltsamer Mond, dessen Entdeckung William Pickering 1899 meldete. Bei der Auswertung von Fotoplatten war ihm weitab vom Saturn ein Lichtpünktchen aufgefallen, das offenbar um den Planeten wanderte. Auch wenn es sich mit rund 200 Kilometern Durchmesser um einen eher kleinen Körper handelte, benannte ihn der US-amerikanische Astronom nach einer Titanen-Göttin, nämlich einer der ersten Hüterinnen des mythischen Orakels von Delphi. So ging Phoebe als neunter Saturnmond in die Annalen der Astronomie ein; heute kennt man 274 Begleiter des Ringplaneten.
Was den Neuzugang damals besonders machte, war sein verdrehter Drehsinn. Denn Phoebe bewegt sich bei ihren Umkreisungen Saturns verglichen mit allen anderen bis dato bekannten Planetenmonden falsch herum. Man weiß heute, dass diese retrograde Bewegung für kleine Trabanten nicht ungewöhnlich ist. Das gilt auch für viele Begleiter der anderen sonnenfernen Planeten Jupiter, Uranus und Neptun. Diese Monde sind oft auf elliptischen Orbits unterwegs, die zudem stark gegen die Bahnebene geneigt sind, in der ihre Planeten die Sonne umrunden. Solche irregulären Monde stellen mit 358 bekannten Exemplaren die Mehrheit.
Zwei Typen von Monden
Anders verhält es sich mit der Gruppe der regulären Monde. Prominentester Vertreter ist der Erdmond. Auch Jupiters Ganymed und der Saturnmond Titan gehören dazu. Ihre Ausmaße sind verglichen mit den Irregulären meist stattlicher; zudem sind sie kugelförmig und bewegen sich auf kreisähnlichen Orbits relativ dicht an ihrem Planeten. Man geht davon aus, dass sie gemeinsam mit diesem entstanden sind – wobei allerdings der Erdmond eine Ausnahme ist.
Seit den 1990er-Jahren weiß man, dass unser Sonnensystem nicht beim äußersten bekannten großen Planeten endet, dem Neptun. Dieser umkreist die Sonne in einem Abstand von rund 30 Astronomischen Einheiten: der 30-fachen Distanz zwischen Erde und Sonne. „Es sind mehrere Tausend Himmelskörper bekannt, die sich jenseits der Neptunbahn bewegen“, stellt Susanne Pfalzner vom Forschungszentrum Jülich klar. Vermutet werden sogar einige Zehntausend Objekte, deren Durchmesser 100 Kilometer überschreiten.
Nicht nur die Bahnen der irregulären Monde, auch die Sonnenumlaufbahnen dieser fernen Körper sind auffällig – oft völlig anders, als man es von den großen Planeten her kennt. „Überraschenderweise bewegen sich viele dieser Transneptunischen Objekte auf exzentrischen Bahnen, die zudem gegen die gemeinsame Bahnebene der Planeten geneigt sind.“
Für die ungewöhnlichen Orbits der im Fachjargon kurz TNOs genannten Himmelskörper hat Pfalzners Team, zu dem auch ein Forscher der niederländischen Universität Leiden gehört, nun eine mögliche Ursache gefunden: Ein fremder Stern könnte dafür verantwortlich gewesen sein. Die Studie erschien 2024 in der Fachzeitschrift nature astronomy.





