Die Luftverschmutzung in den Ländern der nördlichen Hemisphäre hat in den siebziger und achtziger Jahren zu den verheerenden Dürren in der Sahelzone geführt. Das vermuten australische Forscher nach Computersimulationen des Wettergeschehens dieser Jahrzehnte.
Auslöser der Dürren, die damals Hunderttausenden Hunger und Tod brachten, könnte der in den Industrieländern nach dem Zweiten Weltkrieg rasant gestiegene Ausstoß von Schwefel gewesen sein, erläutert Leon Rotstayn von der staatlichen australischen Forschungseinrichtung CSIRO im Wissenschaftsmagazin “New Scientist” (Ausgabe vom 15. Juni). Der Schwefel stammte aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle.
Schwefelverbindungen bilden in der Luft kleine Partikel, so genannte Aerosole, an denen sich Wassertröpfchen bilden können. Viel Schwefel in der Luft führt zur Bildung von Wolken, die aus kleineren Wassertröpfchen als gewöhnlich bestehen und die daher das Sonnenlicht stärker abschirmen. Auf diese Weise kühlte sich vor dreißig Jahren die nördliche Hemisphäre ab, was den Regengürtel im tropischen Afrika nach Süden verschob, ergaben die Simulationen der australischen Wissenschaftler. Die Regenfälle in der Sahelzone, die sich vom westafrikanischen Guinea bis nach Äthiopien erstreckt, blieben daher weitgehend aus.
Erst als in den achtziger und neunziger Jahren Filteranlagen in die Kraftwerke eingebaut wurden, milderten sich die Dürren in der Sahelzone, erklärt Rotstayn. Da sich jedoch durch die Trockenheit auch die Vegetation in den betroffenen Ländern verändert hat, werden die Klimaschäden wohl noch lange nicht behoben sein.
Ulrich Dewald





