Wenn die Sonnenaktivität in ihrem elf Jahre andauernden Zyklus ihr Maximum erreicht, ändert sich die Polarität des solaren Magnetfeldes: Nord- und Südpol tauschen ihre Polarität. Dieser Umpolungsprozess, der bei maximaler Sonnenaktivität stattfindet, wurde erstmals mit dem Raumfahrzeug Ulysses beobachtet. Am 16. Januar diesen Jahres beendete Ulysses, ein Gemeinschaftsprojekt von NASA und ESA (European Space Agency), seinen vier Monate dauernden Flug über den Südpol der Sonne. Ulysses war im Oktober 1990 vom Space Shuttle Discovery im Weltraum ausgesetzt worden, um das Magnetfeld der Sonne zu untersuchen. Bei seinem Vorbeiflug an Jupiter wurde es in eine Umlaufbahn um die Sonne katapultiert.
Das Magnetfeld der Sonne ist eine Quelle vieler solarer Aktivitäten wie zum Beispiel der Sonnenflecken und der Sonnenwinde. Die Sonnenflecken entstehen durch das aus dem Inneren der Sonne aufsteigende Magnetfeld, dass den Wärmetransport zur Oberfläche unterbindet. Die im Vergleich zur Sonnenoberfläche kälteren Flecken erscheinen dunkel. Ihre Anzahl variiert innerhalb des elfjährigen Sonnenfleckenzykluses und erreicht ihr Maximum, wenn die Aktivität der Sonne am größten ist. Die Sonne sendet nicht nur Hitze und Licht aus, sondern auch einen dünnen Strom von geladenen Partikeln, der im wesentlichen aus Elektronen und Protonen besteht. Dieser Partikelstrom wird als Sonnenwind bezeichnet und beeinflusst sogar die Erde: Die Entstehung von Nordlichtern aber auch Spannungsschwankungen in Überlandleitungen sind auf sie zurückzuführen.
Andrew Balogh vom Imperial College in London und Mitarbeiter am Ulysses-Magnetometer erklärt: “In den vergangenen Monaten beobachtete Ulysses die Schwankungen in der Magnetfeldorientierung beim Übergang von der alten zur neuen Polarität.” Sogar jetzt gäbe es noch Perioden, in denen die ursprüngliche Polarität vorhanden ist. Zweifellos fände ein “Kampf” zwischen den beiden Polaritäten statt, denn die neu entstehenden Polaritätsbereiche würden bei ihrem Weg zu den Polen auf Bereiche treffen, wo die ursprüngliche Polarität erst langsam zerfällt. “Wir wissen, dass die neue Polarität gewinnen wird, aber der Kampf kann noch einige Monate dauern.”
Von der Erde aus betrachtet scheint dieser Wettstreit zugunsten der neuen Polarität schon entschieden zu sein. Das berichtete Todd Hoeksema von der NASA auf einem Treffen im vergangenen Oktober. Nach Baloghs Worten ist die Erde allerdings nicht der ideale Beobachtungspunkt: “Wir sind Zeugen eines komplexen Prozesses, in dem verschiedene Ereignisse die Umpolung nicht nur zu verschiedenen Zeiten, sondern auch auf unterschiedliche Weise zeigen.” Der Magnetismus der Sonne sei sehr komplex und Ulysses biete den Wissenschaftlern die einzigartige Chance, den Wettstreit der beiden Polaritäten “direkt am Ring” mitzuerleben.
Nach der erfolgreichen Beendigung dieser ersten Phase wird Ulysses nun erneut die Sonne umrunden. Diese Mission wird voraussichtlich im kommenden Dezember beendet sein und sehr wahrscheinlich zum weiteren Verständnis der Sonne und ihrer Aktivität beitragen.
Katja Bammel





