von THOMAS BÜHRKE
In rund 7,5 Milliarden Jahren hat die Sonne den Wasserstoff-Vorrat in ihrem Zentralbereich aufgebraucht. Dann schrumpft der Kern, bis Temperatur und Druck so hoch sind, dass nun Helium zu schwereren Elementen fusioniert wird. Gleichzeitig dehnt sich unser Zentralgestirn zu einem Roten Riesen aus, der die innersten Planeten Merkur und Venus verschluckt. Ob die Erde diesem Schicksal knapp entgeht, ist unklar; wahrscheinlich wird sie dem Feuertod nicht entkommen (bdw 11/2007, „Flammendes Finale“). Wenn die Kernreaktionen in der Sonne schließlich erlöschen, schrumpft der Rote Riese zu einem kompakten Weißen Zwergstern von der Größe der Erde und glüht langsam aus.
In den vergangenen Jahren haben verschiedene Beobachtungen dieses Weltuntergangsszenario unterstützt. So analysierte Ende 2021 ein amerikanisches Astronomenteam um Siyi Xu vom Gemini Observatory auf Hawaii die Atmosphäre von 23 Weißen Zwergen. Normalerweise enthalten solche Sternruinen fast ausschließlich Wasserstoff und Helium. Diese Sterne aber besitzen große Mengen an schweren Elementen wie Kalzium, Silizium, Magnesium und Eisen. Die Forscher führen diese „Verunreinigungen“ auf Gesteinsplaneten zurück, die im Stadium der Roten Riesen zerstört wurden.
Überraschend fanden die Wissenschaftler die teils ungewöhnliche Häufigkeit dieser Elemente. Sie variierte mehr als die Elementverteilung bei den inneren Planeten unseres Sonnensystems. Das könnte darauf zurückzuführen sein, dass die zerstörten Planeten eine größere Vielfalt an Gesteinsarten aufwiesen als die Erde. Einige der Zusammensetzungen sind sogar so ungewöhnlich, dass die Forscher neue Namen wie Quarz-Pyroxenite und Periklas-Dunite schufen, um diese extraterrestrischen Gesteinsarten zu klassifizieren.
Kannibalischer Stern
Anfang 2023 haben amerikanische Astronomen unter der Leitung von Kishalay De vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge möglicherweise sogar einen Stern in flagranti beim Verspeisen eines Planeten erwischt. Sie bemerkten, wie der etwa 13.000 Lichtjahre entfernte Stern ZTF SLRN-2020 im Sternbild Adler plötzlich seine Helligkeit erhöhte und nach etwa einer Woche wieder schwächer wurde. Kishalay De und seine Kollegen konnten ausschließen, dass es sich um eine Nova oder eine ähnliche Eruption handelte.
Um der Ursache des Ausbruchs auf die Spur zu kommen, durchforsteten die Astronomen Daten des Infrarot-Weltraumteleskops NEOWISE (Near-Earth Objects/Wide-field Infrared Survey Explorer) der NASA. Dabei entdeckten sie, dass der Stern bereits neun Monate vor dem Aufleuchten im sichtbaren Licht einen extremen Anstieg im Infrarot zeigte, der von leuchtendem Staub stammte.





