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Rezension

Tödliche Missverständnisse

Der amerikanische Historiker und Autor Hampton Sides hat mit „Cooks letzte Reise“ ein ebenso fesselndes wie historisch präzises und vielschichtiges Buch über die letzte Expedition des berühmten britischen Seefahrers und Kartografen vorgelegt.

Tödliche Missverständnisse
Der amerikanische Historiker und Autor Hampton Sides hat mit „Cooks letzte Reise“ ein ebenso fesselndes wie historisch präzises und vielschichtiges Buch über die letzte Expedition des berühmten britischen Seefahrers und Kartografen vorgelegt.
Autor
Redaktion
14. Juni 2026
Lesezeit
1 Minute
Der amerikanische Historiker und Autor Hampton Sides hat mit „Cooks letzte Reise“ ein ebenso fesselndes wie historisch präzises und vielschichtiges Buch über die letzte Expedition des berühmten britischen Seefahrers und Kartografen vorgelegt.

James Cook brach am 12. Juli 1776 mit der HMS Resolution zu seiner dritten großen Reise auf, die seine letzte werden sollte. Während in den amerikanischen Kolonien der Unabhängigkeitskrieg tobt, hat die britische Admiralität Cook offiziell auf eine wissenschaftliche Mission geschickt. Doch eigentlich geht es um geopolitische Interessen: Cook soll – und dies ist ein geheimer Auftrag – von der pazifischen Seite aus nach der Nordwestpassage suchen. Es ist ein Auftrag mit fatalen Folgen.

Sides beschreibt die letzte Reise des Entdeckers höchst kunstvoll nicht nur als bloße Abfolge historischer Ereignisse, sondern entwickelt detailreich und anschaulich ein komplexes Geflecht aus Entdeckergeist, politischem Kalkül, menschlichem Können und Versagen. Es ist keine Biografie oder mitreißende Abenteuergeschichte, sondern ein Panorama, in dem sich verschiedene Perspektiven verschränken. Sides integriert indigene Überlieferungen und die Schriften des hawaiianischen Historikers Samuel Kamakau. Hinzu kommt die Figur eines mitreisenden polynesischen Adeligen – unterschiedliche Sichtweisen werden so fassbar. Die Schilderungen der Begegnungen zwischen den europäischen Seefahrern und den indigenen Kulturen sind differenziert und sensibel, ohne die Konflikte zu beschönigen. Unterschiedliche Vorstellungen von Besitz, Ehre und Ritual sorgen dafür, dass beide Seiten Handlungen der jeweils anderen falsch deuten.

James Cook erscheint als ambivalente Figur: ein brillanter Navigator und zugleich ein zunehmend erschöpfter, von Rückschlägen gezeichneter und immer brutaler werdender Anführer. Gerade die letzten Kapitel, die auf seinen Tod hinauslaufen, verdichten sich zu einer Tragödie, einem unaufhaltbaren gewaltsamen Ende. Deshalb kann man dieses Buch auch lesen als leisen Kommentar zu den Folgen der Globalisierung und ihrer Auswüchse, lange bevor es diesen Begriff gab.

Rezension: Barbara Ritzert

Hampton Sides
Cooks letzte Reise – Die fatalen Folgen eines geheimen Auftrags
mareverlag, 512 S., € 32,–
ISBN 978–3–86648–756–7

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