Wenn ein Stern in einer Supernova explodiert, muss das keineswegs sein Ende bedeuten: Von extrem schweren Sternen können mehrere solche Explosionen ausgehen, in denen sie mehr und mehr an Masse verlieren. Prallen die bei diesen Explosionen ins All geschleuderten Materiewellen aufeinander, entstehen gewaltige Leuchterscheinungen, vermuten amerikanische Wissenschaftler um Stanford Woosley von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz. So erklären sie beispielsweise die Supernova SN 2006gy, die Astronomen im vergangenen Jahr in Erstaunen versetzte. Sie war hundertmal heller als eine durchschnittliche Supernova und die zweithellste je beobachtete. Ein Forscherteam um Simon Zwart von der Universität in Amsterdam halten dieses Ereignis hingegen für einen Zusammenstoß zweier Sterne.
Entdeckt hatten amerikanische Astronomen die Supernova SN 2006gy in einer rund 240 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie, als sie den Himmel systematisch nach derartigen extremen Ereignissen absuchten. Bei diesen Explosionen steigt die Leuchtkraft des Sterns auf das Milliardenfache an, so dass manche Supernova heller aufleuchtet als eine ganze Galaxie. Zu Supernovae kommt es unter anderem, wenn ein Stern seinen Brennstoff verbraucht hat, in sich zusammenfällt, um dann in einer gewaltigen Explosion auseinanderzufliegen.
Bei extrem massereichen Sternen, die 90- bis 130-mal so schwer sind wie die Sonne, könnte dieser Sternentod jedoch auch in Etappen erfolgen, folgern nun Woosley und seine Kollegen aus ihrem Modell. Nach ihren Berechnungen beginnen solche Riesen unter bestimmten Bedingungen zu pulsieren: Sie ziehen sich zusammen, schleudern einen Teil ihrer Masse von sich, um dann wieder zu kontrahieren und erneut in einer Explosion Material ins All zu werfen. Laut Woosly seien so bis zu sechs Explosionen in Folge möglich. Holt eine der ausgestoßenen Materiewellen die vorangehende ein und prallt mit dieser zusammen, werden viel größere Energiemengen in Form von Licht freigesetzt als bei einer gewöhnlichen Supernova, ergaben die Berechnungen der Wissenschaftler. Das erkläre die extreme Helligkeit der Supernova SN 2006gy.
Eine andere Deutung dieses Himmelsereignisses liefern hingegen die Wissenschaftler um Simon Zwart: Nach ihrer Theorie entstand die Rekord-Supernova, als in einer Zusammenballung von Sternen zwei Himmelskörper zusammenstießen. Die Forscher stützen sich auf Berechnungen der Wahrscheinlichkeit, mit der es in einem solchen sogenannten Cluster zu einem Zusammenstoß kommt. Sollte diese Idee zutreffen, werden sich die zugehörigen Sterne in etwa einem Jahr, wenn das Glühen der Supernova erloschen ist, aufspüren lassen, hoffen die Forscher.
Stanford Woosley (Universität von Kalifornien, Santa Cruz) et al., Simon Zwart (Universität Amsterdam) et al.: Nature, Nature, Bd. 450, S. 388 und 390 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald