Auf der Erde könnten Öl, Gas und vielleicht sogar Kohle bald knapp werden. Doch es gibt einen Ort im Sonnensystem, wo fast unbegrenzte Mengen dieser Energierohstoffe zu finden sind: den Saturnmond Titan. Nachdem die Raumsonde Cassini inzwischen ein Fünftel der Oberfläche des frostigen Mondes mit dem Radar abgetastet hat, präsentieren Forscher um Ralph Lorenz nun eine erste Inventur von Titans Kohlenwasserstoff-Vorkommen.
Auf den Cassini-Daten sind mehrere hundert Seen vor allem in der Nähe des Nordpols zu sehen. Mehrere Dutzend davon enthalten alleine mehr Kohlenwasserstoffe als die gesamten Öl- und Gasreserven der Erde, ergaben die Modellrechnungen der Forscher. Lorenz und Kollegen sind sicher, dass die Seen mehr als zehn Meter tief sind, da die Radarwellen sonst bis zum Boden vorgedrungen wären. “Titan ist nur so bedeckt von kohlenstoffhaltigem Material, er ist eine riesige Fabrik für organische Verbindungen”, sagt Lorenz.
Das Methan stammt wahrscheinlich aus dem Inneren des Mondes. In der Atmosphäre hat das Gas nur eine begrenzte Lebensdauer, da es von ultravioletter Sonnenstrahlung zerstört wird. In der Gashülle des orangefarbenen Mondes werden aus den kohlenstoffhaltigen Bruchstücken größere organische Moleküle zusammengebacken, die sogenannten Tholine. Auch sie regnen wieder auf die Oberfläche, vor allem in der Nähe des Äquators, und bilden dort riesige Dünengürtel. In diesen dunklen Hügeln ist einige hundert Mal so viel Kohlenstoff enthalten wie in den gesamten Kohlereserven der Erde, schreiben Lorenz und seine Kollegen.
Berücksichtigt man jedoch das Alter von Titan, handele es sich aber um relativ geringe Mengen. Auch die Methanmenge in den Seen reicht nur ein paar Millionen Jahre aus, um die Konzentration in der Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Das bedeute, schreiben die Forscher um Lorenz, dass das Methan durch Eisvulkanismus aus dem Inneren des Mondes nachgeliefert werden muss. Es sei daher durchaus möglich, dass die Umweltbedingungen auf dem Saturnmond starken Schwankungen unterworfen sind. Methan ist ein starkes Treibhausgas. Sollte der Stoff in den nächsten Jahrmillionen langsam von der Oberfläche verschwinden, dann könnte es in Zukunft noch deutlich kälter werden als minus 179 Grad Celsius ? die aktuelle Temperatur auf Titan.
Ralph Lorenz (Johns Hopkins University, Baltimore) et al.: Geophysical Research Lettres, Bd. 35, S. L02206, doi:10.1029/2007GL032118, 2008 Ute Kehse





