Der Saturnmond Titan gehört zum exklusiven Club der Eismonde mit einem inneren Ozean: Ähnlich wie bei den Jupiter-Trabanten Europa, Ganymed und Callisto befindet sich auch unter Titans äußerer Eiskruste eine Schicht flüssigen Wassers, berichten jetzt Forscher um Luciano Iess. Das schließt das Team aus präzisen Messungen von Titans Schwerefeld.
Insgesamt 80 Mal ist die Raumsonde Cassini bisher am Titan vorbeigeflogen, seit sie 2004 im Saturnsystem angekommen ist. Luciano Iess und seine Kollegen nutzten nun diese Bahndaten und Radar-Messungen, um herauszufinden, wie sich Titan bei seinem Umlauf um den Riesenplaneten Saturn verformt. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass der Mond ziemlich biegsam ist und daher nicht komplett aus festem Material bestehen kann. Die Daten seien mit einem Modell vereinbar, in dem sich eine Schicht Wasser unbekannter Dicke unter einer äußeren Eisschicht befindet.
Genaueres über den inneren Aufbau können die Forscher bislang allerdings nicht sagen. Sie gehen aber davon aus, dass der Ozean aus Wasser und Ammoniak besteht. Womöglich ist er auch die Quelle des Kohlenwasserstoffs Methan in der Atmosphäre. Planetenforscher hatten bislang gerätselt, wieso Titan so reich an dem Stoff ist, der auf der Erde den Hauptbestandteil von Erdgas bildet. Die Lebensdauer des Gases ist in Titans Atmosphäre nämlich begrenzt. UV-Licht von der Sonne verwandelt es in komplexe organische Substanzen ? und zwar so schnell, dass die gesamten Methanvorräte innerhalb einiger Millionen Jahre zerstört sein müssten.
Doch der jetzt entdeckte Ozean könnte eine Erklärung liefern. Wenn er in Verbindung mit der Oberfläche steht ? etwa durch Eisvulkane ? könnte regelmäßig neues Methan in die Atmosphäre gelangen. Tatsächlich glauben einige Forscher, auf den Radarbildern von Cassini Hinweise auf Eisvulkanismus gefunden zu haben. Bislang wurde diesen Behauptungen allerdings nicht viel Beachtung geschenkt.
Das Gewässer, dessen Existenz Forscher schon seit einigen Jahren vermutet hatten, könnte durchaus geeignete Bedingungen für Lebewesen bieten. Damit verfügt Titan womöglich über zwei völlig verschiedenartige Lebensräume: Zum einen gibt es die Seen aus Methan und Ethan auf der Oberfläche, deren potenzielle Bewohner allerdings mit einer völlig fremdartigen Biochemie ausgestattet sein müssten. Zum anderen ist der innere Ozean ein Ort, an dem ähnliches Leben wie auf der Erde möglich wäre.
Luciano Iess (Università La Sapienza, Rom) et al: Science, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1126/science.1219631 © wissenschaft.de – Ute Kehse





