Einige schnelle Blicke auf die gewünschten Buchstaben und schon erscheint der fehlerfreie Text auf dem Bildschirm. Um das zu ermöglichen, haben britische Forscher die Software “Dasher” entwickelt, mit der sich über die Blickrichtung der Augen bis zu 25 Worte pro Minute schreiben lassen. Ihr System soll vor allem körperlich Behinderten die Arbeit am Computer erleichtern. Doch auch in kleinen mobilen Geräten ohne Tastatur kann Dasher eine Alternative zur noch schwierigen Sprachsteuerung darstellen. Sie beschreiben ihr Programm in der Fachzeitschrift Nature (Vol. 418, S. 838).
Die Software arbeitet wie ein Video-Spiel, in das sich der Nutzer via Blickkontakt in die Tiefen einer enormen Bibliothek steuert, sagt David MacKay, Entwickler an der britischen Cambridge University. Eine Kamera verfolgt dabei die Augenbewegungen des Nutzers. Schaut er beispielsweise nur auf ein “K”, registriert die Software die Auswahl.
Ähnlich wie bei der SMS-Texteingabe beim Handy mit dem Hilfsprogramm T9, bietet die Software nach den ersten drei, vier Buchstaben eine Auswahl an ganzen Worten oder gar ganzen Phrasen. Je nach persönlichem Training werden aus dem riesigen Wortspeicher die wahrscheinlichsten auf dem Bildschirm angezeigt. Ein letzter schneller Blick auf das gewünschte Wort und schon erscheint es auf dem Bildschirm.
Bisherige Systeme mit einer Bildschirmtastatur reagieren zwar auch bereits auf die Blickrichtung des Nutzers, doch muss hier das komplette Wort Buchstabe für Buchstabe zusammengesetzt werden. Dasher ist mit 25 statt 15 Worten pro Minute nicht nur deutlich schneller, sondern produziert auch wesentlich weniger “Tippfehler”. “Die Anzahl der Fehler ist nicht nur fünfmal geringer, der Gebrauch des Systems ist auch mit weit weniger Stress verbunden”, so MacKay.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt laut MacKay in der perfekten Anpassung an das natürliche Blickverhalten eines Menschen. Zudem kann die automatische Wortauswahl sehr gut an die persönliche Sprache des Nutzers gewöhnt werden. Erste Versuche mit Testpersonen zeigen, dass dieses Training ohne Probleme absolviert werden könne.
Da Dasher in erster Linie behinderten Personen die Arbeit am Computer schnell erleichtern soll, plant MacKay die Veröffentlichung des Quellcodes seines Programms. So könne ? analog zum Betriebssystem Linux – weltweit von jedermann weiter an Dasher gearbeitet werden. Die Erfahrung mit Linux hat gezeigt, dass Programmfehler so sehr schnell ausgemerzt werden. Doch auch die Hersteller von kleinen, mobilen Computern oder Handys könnten mit Dasher auf eine platzraubende Tastatur zugunsten eines größeren Displays verzichten.
Jan Oliver Löfken





