Die letzten Bilder, der Raumsonde Galileo vom Jupiter-Mond Io beweisen: Die Kruste des Vulkanmondes bewegt sich vertikal und nicht horizontal wie die Erdkruste. Das berichtete Elisabeth Turtle von der University of Arizona jetzt auf der Frühjahrstagung der American Geophysical Union in Washington.
Während sich auf der Erde zwei verschiedene Krustensorten – ozeanische und kontinentale Kruste – langsam über den Erdmantel schieben, gibt es auf Io keine seitlichen Bewegungen. Aus dem Innern des Mondes quillt Lava an einzelnen “Hotspots” empor, ergießt sich über die Oberfläche und türmt sich auf. Unter dem Druck dieses Gewichtes reisst die Kruste immer wieder auf, wobei sich ganze Krustenblöcke seitwärts neigen.
Während Berge auf der Erde beim Zusammenstoß von tektonischen Platten entstehen, entstehen Berge auf Io eher wie im Packeis, wo auch ganze Schollen umkippen können.
Vulkankrater liegen anders als auf der Erde selten auf einem Berg, aber oft daneben.
“Der Prozess, der die Gebirgsbildung steuert, also wahrscheinlich das Umkippen solcher Krustenblöcke, scheint es dem Magma zu erleichtern, an die Oberfläche zu kommen”, sagte Turtle auf der Tagung. “Es gibt eine komplexe Beziehung zwischen den Vulkanen und den hohen Bergen.”
Insgesamt sind auf Io 120 Vulkane zu finden, 74 davon hat Galileo entdeckt. Die Vulkane des Mondes weisen eine ganze Reihe unterschiedlicher Eruptionsstile auf. Doch erst bei den letzten Vorbeiflügen zeigte sich, dass Lavaseen, die von einer Kruste bedeckt sind, und riesige Eruptionswolken häufig vorkommen.
Die letzte Begegnung von Galileo mit Io im Januar 2002 brachte keine neuen Aufnahmen, da die Sonde in der entscheidenden Phase in einen Sicherheitsmodus geschaltet hatte. Die Strahlungsgürtel des Jupiter machten jeden Vorbeiflug mit dem innersten der vier großen Monde zu einem Wagnis. Die letzte Begegnung mit einem Jupiter-Mond wird Galileo im November 2003 haben. Auf ihrem letzten Weg begegnet die erfolgreiche Sonde dem kleinen Felsbrocken Amalthea, allerdings ohne Fotosession. Danach soll die Sonde Galileo, die kaum noch Treibstoff für Bahnkorrekturen oder andere Manöver hat, in den Jupiter stürzen.
Ute Kehse





