Mittelitalien ist vor allem für die noch immer rätselhafte Kultur der Etrusker bekannt, die von etwa 900 bis 100 vor Christus in dieser Region dominierte. Durch ihre nicht-indoeuropäische Sprache, eigene Bestattungspraktiken und eine sehr fortgeschrittene Metallverarbeitung unterschieden sich die Etrusker deutlich von ihren zeitgenössischen Nachbarn. Wie die Etrusker entstanden und warum sie so anders waren als ihre Nachbarn, ist noch immer nicht vollständig geklärt.
Umso spannender sind daher archäologische Funde, die Auskunft über die Vorgänger der Etrusker geben. Eine in dieser Hinsicht wichtige Fundstätte liegt am Ufer des kleinen Vulkansees Lago Mezzano. Dort lag vor 4000 bis 2200 Jahren eine ausgedehnte Bronzezeit-Pfahlbausiedlung.
Fund am Seegrund
Jetzt haben Unterwasserarchäologen unweit der Pfahlbausiedlung einen außergewöhnlichen Fund gemacht: Sie stießen am Seegrund des Lago Mezzano auf ein erstaunlich gut erhaltenes Bronzeschwert aus dem 13. Jahrhundert vor Christus. „Es weist sogar noch eine scharfe Schneide auf“, berichtet das Team um Margherita Eichberg von der regionalen Behörde für Archäologie, Kunst und Landschaftsschutz. Diese Entdeckung bestätige einmal mehr die große wissenschaftliche Bedeutung dieses Fundortes für die Erforschung der Vorgeschichte Mittelitaliens.
Der neue Fund ist erst das dritte Bronzeschwert, das seit den 1970er Jahren an dieser Fundstätte entdeckt wurde – und eines der am besten erhaltenen. Das Bronzeschwert zeugt von der fortgeschrittenen Waffenschmiedekunst im Mittelitalien der späten Bronzezeit, wie die Archäologen erklären. Die Waffe bestätige den hohen Spezialisierungsgrad der Metallverarbeitung, den die Gemeinschaften dieser Region damals schon erreicht hatten. Die Produkte der mittelitalienischen Waffenschmiede gelangten damals über weitreichende Handelsnetze auch in andere Teile des bronzezeitlichen Mittelmeerraums.
Waffe eines hochrangigen Kriegers - und ein Symbol der Macht
Doch wem gehörte dieses Bronzeschwert? Und warum lag es am Seegrund? Eichberg und ihre Kollegen gehen davon aus, dass diese Waffe einst einem hochrangigen Krieger gehörte. Darauf deuten die Merkmale des Schwerts selbst hin, aber auch ein unweit der Waffe gefundenes bronzenes Rasiermesser. „Dies erinnert an vergleichbare Fundkombinationen aus anderen Bronzezeit-Fundstätten, die Personen mit hohem gesellschaftlichem Status und Angehörigen der Kriegereliten zuzuordnen sind“, so die Archäologiebehörde.
In derselben Fundschicht entdeckten die Archäologen auch mehrere bronzene Äxte, Pfeil- und Speerspitzen, Dolche, Gewandnadeln und Gefäße. Diese Funde könnten einen ersten Hinweis darauf liefern, wie diese Objekte in den See gelangten: „Bronzewaffen waren damals nicht nur Kampfwerkzeuge, sondern auch Symbole für gesellschaftliches Ansehen, Identität und Macht“, erklärt das Team. Diese Statussymbole spielten daher auch eine wichtige Rolle bei kultischen Zeremonien und Ritualen. Häufig wurden sie dabei als Opfergaben in Gewässern versenkt.
Eichberg und ihre Kollegen halten es daher für möglich, dass auch das Bronzeschwert und die anderen im See gefundenen Objekte einst im Rahmen eines Rituals auf den Seegrund gelangten.

Das Schwert beim Fund und nach seiner Bergung. — © Soprintendenze Archeologia, Belle Arti e Paesaggio per la provincia die Viterbo per l’Etruria Meridionale
„Bedeutung weit über den einzelnen Gegenstand hinaus“
Zusammengenommen geben die neuen Funde spannende neue Einblicke in das Mittelitalien vor der Zeit der Etrusker. „Jeder neue Fund besitzt daher eine Bedeutung, die weit über den einzelnen Gegenstand hinausgeht. Er trägt dazu bei, die symbolischen Verhaltensweisen der vorgeschichtlichen Gemeinschaften besser zu verstehen“, so die Archäologiebehörde. „Die Entdeckungen liefern mehr Informationen über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen, die dieses Gebiet in der Bronzezeit prägten – lange bevor sich die etruskische Zivilisation herausbildete.“
Die Archäologen werden ihre Ausgrabungen am Seegrund des Lago Mezzano in der nächsten Saison fortsetzen und hoffen auf weitere Funde. Parallel dazu werden nun das Bronzeschwert und die anderen Fundstücke genauer untersucht.
Quelle: Soprintendenze Archeologia, Belle Arti e Paesaggio per la provincia die Viterbo per l’Etruria Meridionale





