In Nordost-Australien treten alle zweihundert bis dreihundert Jahre tropische Wirbelstürme von extremem Ausmaß auf – das ist zehnmal häufiger als bislang angenommen. Wie Jonathan Nott von der James Cook University in Cairns und Matthew Hayne von der Australian Geological Survey Organisation in Canberra im Journal Nature berichten, haben diese “Superzyklone” wahrscheinlich verheerende Auswirkungen auf die Korallen am Great Barrier Reef und auf die umliegenden Regenwälder. Auch menschliche Siedlungen, zum Beispiel die Stadt Cairns, seien sehr viel gefährdeter als das etwa Versicherungen annehmen.
Die Forscher untersuchten Wälle aus Korallenbruchstücken und Muschelschalen, die offensichtlich von einzelnen Stürmen im Landesinnern abgelagert worden waren. Die Wälle waren bis zu 18 Kilometer lang, 37 Meter breit und 3,5 Meter hoch. Je weiter entfernt sie von der Küste waren, desto älter waren die Ablagerungen, stellten Nott und Hayne fest.
Die Altersdatierung mit radioaktivem Kohlenstoff ergab, dass Zyklone der Kategorie fünf in einigen Gegenden von Nordost-Australien während der letzten 5.000 Jahre im Schnitt alle 177 Jahre wiederkehrten. Da es historische Aufzeichnungen von Wetterdaten in Australien erst seit etwa hundert Jahren gibt, seien die daraus abgeleiteten Sturmhäufigkeiten nicht aussagekräftig, schreiben die beiden Forscher. Lediglich ein Superzyklon der Stärke fünf in der Princess Charlotte Bay aus dem Jahr 1899 sei überliefert, dabei hätten sich zwei starke Zyklone in der Gegend der heutigen Großstadt Cairns zwischen 1800 und 1870 ereignet.
Die Forscher vermuten, dass solche extremen Stürme, bei denen der Luftdruck im Zentrum auf weniger als 920 Hektopascal abfallen dürfte, die Lebensgemeinschaften im Great Barrier Reef und in den Regenwäldern Nordaustraliens prägen. Die Lebenserwartung sowohl von Korallen als auch von den meisten Bäume sei höher als der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Superzyklonen, die verheerende Zerstörungen in diesen Lebensgemeinschaften anrichten können.
Ute Kehse





