Stark widersprüchlich zeigen sich derzeit kurz- und langfristige Temperaturmessungen am Südpol. Während erst vergangene Woche US-Forscher von einem deutlichen Abkühlungstrend auf dem Festland berichteten, berichten nun britische und kanadische Klimaforscher, dass die antarktische Seen auf der Signy Insel 1,3 Grad wärmer wurden.
Damit war der Temperaturanstieg des Seewassers zwischen 1980 und 1995 dreimal höher als in den umgebenden Luftschichten, berichten die Forscher vom British Antarctic Survey in Cambridge und vom kanadischen Center for Excellence in British Columbia in der Fachzeitschrift Science (Vol. 295, S. 645, 25.01.2002).
Durch seine dünne Eisdecke reagiere der See besonders empfindlich gegenüber Klimaveränderungen. Eisfrei zeigte er sich sogar vier Wochen länger als in früheren Beobachtungen. Nun fürchten die Forscher um das ökologische Gleichgewicht des Sees. Sowohl der Nährstoffgehalt als auch die Menge an Phytoplankton haben messbar zugenommen.
In diesem antarktischen Sommer haben Meteorologen von der McMurdo Station sogar bereits über Wochen anhaltende Rekordtemperaturen von bis zu zehn Grad Celsius gemessen. Der Januar sei sogar mit durchschnittlich minus 23 Grad ungewöhnlich warm gewesen, so die Wissenschaftler. Ob die aktuellen Temperaturen sowie das Aufwärmen der Südpol-Seen als Widerlegung der US-Ergebnisse gelten können, ist bislang allerdings noch nicht gesichert.
Jan Oliver Löfken





