Die Milchstraße besteht zu 90 Prozent aus der mysteriösen dunklen Materie, die zwar nicht zu sehen ist, aber die Galaxis durch ihre Schwerkraft zusammenhält. Womöglich führt eine Art “Rennbahn” für dunkle Materie mitten durch das Sonnensystem, berichten Forscher um Heidi Newberg vom Rensselaer Polytechnic Institute in den Physical Review Letters (Ausgabe 19. März).
Newberg und ihre Kollegen vermuten, dass außer dunkler Milchstraßen-Materie auch Geisterteilchen aus der Zwerggalaxie Sagittarius das Sonnensystem durchströmen. Die Zwerggalaxie wird gerade von der Milchstraße entzwei gerissen, wobei Sterne, Gas und Staub in die Milchstraße hineingezogen werden. Erst kürzlich identifizierten Astronomen zwei bogenförmige Ausläufer, von denen sich einer mitten durch das Sonnensystem zieht. Die Forscher um Newberg nehmen an, dass entlang dieses Ausläufers dunkle Materie aus der Sagittarius-Galaxie mit einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Sekunde durch die Erde schießt.
Die Astronomen wissen allerdings immer noch nicht, woraus die dunkle Materie eigentlich besteht. Viele Forscher nehmen mittlerweile an, dass es sich um subatomare Partikel handelt, die gewöhnliche Materie wie zum Beispiel die Erde ohne Wechselwirkungen durchdringen können. Die Teilchen heißen in Fachkreisen “Wimps” (Weakly interacting massive particles). Italienische Forscher verkündeten 1998, solche Wimps mit einem speziellen Detektor aus Natriumjodid-Kristallen entdeckt zu haben. Die Kristalle leuchten auf, wenn sie von einem Wimp getroffen werden. Andere Forscher, die anders gebaute Detektoren betrieben, zweifelten die Ergebnisse allerdings an, weil sie selbst keine Anzeichen für erddurchquerende Wimps entdeckten.
Falls tatsächlich Wimps von der Sagittarius Galaxie im Sonnensystem herumschwirren, müsste sich das in der Verteilung der Wimps nachweisen lassen, schreibt Paolo Gondolo von der University of Utah ebenfalls in den Physical Review Letters. Er und seine Kollegen vermuten, dass die anderen Detektoren die Geisterteilchen nicht aufgespürt haben, weil sie aus Germanium bestehen. Womöglich seien die Wimps leichter als gedacht und riefen bei Germanium-Atomen daher keine Wirkung hervor, spekuliert Gondolo.
Ute Kehse





