Um zu ermitteln, wie stark die Lichtverschmutzung mittlerweile weltweit ist und in welchen Regionen sie besonders stark ausgeprägt ist, haben Fabio Falchi vom Light Pollution Science and Technology Institute in Italien und seine Kollegen nun einen neuen Atlas der weltweiten Lichtverschmutzung zusammengestellt. Die Daten für die Karten stammen zum großen Teil vom NASA-Satelliten Suomi NPP. Dieses fliegende Erdbeobachtungs-Observatorium umkreist die Erde auf einem polaren Orbit und kann weite Teile des Globus abdecken. Mithilfe eines speziellen Sensors misst er dabei unter anderem die Intensität des nachts von der Erdoberfläche ausgehenden Streulichts. Seine Auflösung ist nach Angaben der Forscher dabei sieben Mal höher als die bisheriger Satelliten, das von ihm registrierte Lichtspektrum umfasst Wellenlängen von 500 bis 900 Nanometern – und damit den Bereich vom grünen bis in ins rote und infrarote Licht. Doch die Satellitendaten waren noch nicht alles: Ergänzt wurde dies durch Tausende von Messungen von Forschern und freiwilligen Helfern, die mit Hilfe von Lichtsensoren und einer Handy-App die Helligkeit des Himmels an 21.000 Orten der Erde ermittelten. “Rund zwanzig Prozent der Eichdaten kamen von citizen scientists”, berichtet Koautor Christopher Kyba vom GeoForschungszentrum Potsdam (GFZ). “Ohne sie hätten wir keine Daten von außerhalb Europas und Nordamerikas.”
“Leuchtender Nebel”
Die aus diesen Messungen erstellten Karten zeigen, dass weite Teile der Welt förmlich in Licht gebadet sind. “83 Prozent der Weltbevölkerung und mehr als 99 Prozent der Bewohner Europas und der USA leben unter einem lichtverschmutzten Himmel”, berichten Falchi und seine Kollegen. “Die Menschheit hat unseren Planeten in einen leuchtenden Nebel eingehüllt.” Mehr als ein Drittel der Menschheit habe dadurch keine Chance mehr, die Milchstraße zu sehen, in Europa seien es sogar 60 Prozent. Zu den Ballungsräumen ohne Chance auf den Milchstraßenanblick gehören die Region vom Ruhrgebiet bis nach Belgien hinein, der Großraum London, die Städte an der US-Ostküste zwischen Boston und Washington und die asiatischen Ballungsräume um Peking und Hongkong. Das weltweit am stärksten lichtverschmutzte Land ist den neuen Daten nach Singapur. “Hier lebt die gesamte Bevölkerung unter einem Himmel, der so hell ist, dass die Augen erst gar nicht auf Nachtsicht umschalten”, so die Forscher. Ähnlich hell ist es auch in einigen arabischen Staaten, darunter Kuweit, Qatar und den Emiraten.
Interessanterweise schneidet Deutschland zumindest unter den G20-Staaten gar nicht so schlecht ab: “In Saudi-Arabien und Südkorea lebt der höchste Anteil der Bevölkerung unter extrem hellen Himmeln, während Deutschland in dieser Hinsicht am wenigsten unter Lichtverschmutzung leiden”, berichten Falchi und seine Kollegen. Wer allerdings einen richtig dunklen Nachthimmel erleben möchte, der sollte nach Madagaskar, in das Herz Afrikas oder nach Grönland fahren. Denn dort ist noch in den meisten Gebieten ein nicht von Licht verschmutzter, unberührter Himmel zu sehen. Innerhalb der G20-Staaten ist Australien das Land mit der geringsten Lichtverschmutzung. Für die dunklen Himmel vor allem der trockenen Regionen der Erde spielt dabei neben der Bevölkerungsdichte auch das Wetter eine wichtige Rolle. Denn wenn der Himmel bewölkt ist, reflektieren die Wolken das Licht und erzeugen einen um ein Mehrfaches intensiveren “Skyglow “, wie die Wissenschaftler erklären. In Berlin beispielsweise steige die Intensität des Streulichts dadurch um das Zehnfache an.





