Der Streit hatte vor Monaten begonnen. Ursprünglich hatte der frühere NASA-Ingenieur 20 Millionen Dollar bezahlt, um zur russischen Raumstation Mir zu fliegen, die jedoch diese Woche nach 15 Jahren im All versenkt werden soll. Daraufhin arbeitete er mit der russischen Raumfahrtbehörde den Plan aus, stattdessen zur Raumfahrtstation ISS zu fliegen. Da es sich um eine internationale Station handelt, konnten die Amerikaner nur ihre ablehnende Haltung deutlich machen, jedoch den Flug nicht prinzipiell verbieten. Schließlich können die Russen entscheiden, wen sie zur Station schicken.
NASA-Chef Daniel Goldin betonte in einem Interview mit dem Onlinefachdienst “Space.com” kürzlich, er sei dagegen, im Augenblick Touristen ins All zu schicken. Die ISS sei noch im Aufbau und jede Verzögerung müsse vermieden werde. Ein Tourist bedeute eine Störung der wichtigen Arbeiten. Er verglich die Raumstation mit einem halbfertigen Hotel, in dass Touristen ja auch nicht gelassen würden.
Goldin lehnt Touristen an Bord der ISS nicht grundsätzlich ab. Dies könne aber erst später in Angriff genommen werden, wenn die Arbeiten an der Station weiter fortgeschritten seien, sagte er. Außerdem hält die NASA den Preis von 20 Millionen Dollar für viel zu gering. Bei den Milliardenkosten der Station seien 20 Millionen Dollar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, heißt es bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde.
Für die stets nach neuen Einnahmequellen suchende russische Raumfahrtbehörde sind 20 Millionen Dollar dagegen recht viel. Deshalb zeigte sich der Chef der Raumfahrtbehörde Rosawiakosmos, Juri Koptew, auch von der NASA-Kritik bisher wenig beeindruckt. Titos Flug sei eine rein russische Angelegenheit und deshalb sei es bedeutungslos, ob die Amerikaner oder die Europäer dafür oder dagegen seien. Tito werde am 30. April ins All fliegen, erklärte Koptew. “Wir sehen keine Veranlassung, gegen die Abmachungen im Vertrag (mit Tito) zu verstoßen”, zitierte Itar-Tass am Dienstag Rosawiakosmos-Sprecher Sergej Gorbunow. “Wir können nicht gegen das unterschriebene Dokument verstoßen, weil uns dann materieller Schaden droht und unser geschäftlicher Ruf in Gefahr ist”.
Tito muss dennoch weiter Zittern. Der 60-jährige ehemalige NASA-Raketentechniker träumt seit frühster Jugend von einem Ausflug ins All. Er hatte nach dem Ende seiner NASA-Zeit in Kalifornien eine Investmentfirma gegründet und damit Millionen verdient. Vor zehn Jahren hatte er dann erstmals die Idee, mit Hilfe der Russen, seinen Traum zu verwirklichen. Im vergangenen Jahr unterzeichnete er dann den Vertrag, um zur Mir zu fliegen. Seitdem hat er intensiv in Russland trainiert, und er hält sich für vollkommen fit für den Flug. Die Bedenken der NASA kann Tito nicht nachvollziehen. Schließlich sei mit Touristen viel Geld zu verdienen.





