Die Geschichte des Radios begann 1896. Damals übertrug der italienische Ingenieur und spätere Physik-Nobelpreisträger Guglielmo Marconi mit der von ihm erfundenen geerdeten Dipol-Sendeantenne die ersten Radiosignale drei Kilometer weit. 1899 funkte er über den Ärmelkanal, 1901 schon 3700 Kilometer transatlantisch von London nach Neufundland. Und 1922 war er der erste Mensch, der nach Radiosignalen von außerirdischen Intelligenzen forschte, als er versuchte, Langwellen um zwei Kilohertz von Marsbewohnern zu empfangen. Die ersten Radiowellen aus dem All entdeckte zehn Jahre später der amerikanische Ingenieur Karl Jansky. Um intelligente Botschaften handelte es sich aber nicht.
Die SETI-Projekte suchen vor allem im „kosmischen Wasserloch” nach Radiosignalen. Denn dieser Mikrowellen-Frequenzbereich zwischen den Emissionslinien von atomarem Wasserstoff H und dem Hydroxyl-Radikal OH – 1,42 bis 1,64 Gigahertz – wird als besonders aussichtsreich beurteilt. Darauf hatten die Physiker Giuseppe Cocconi und Philip Morrison erstmals 1959 in einem Artikel in der Fachzeitschrift „nature” hingewiesen. Hintergrund ist die anthropomorphe Logik, dass Wasser (H2O) als „ Lebenselixier” auch erdähnlichen Kollegen im All als geeignete Markierung unter der Riesenauswahl möglicher Frequenzbänder erscheint. Das ist selbstverständlich nicht zwingend, und SETI sucht auch in anderen Frequenzbereichen – aber irgendwo muss man ja anfangen. Auch sind die Mikrowellen leicht detektierbar, weil sie durch die Atmosphäre auf den Erdboden gelangen. Und sie durchdringen im Gegensatz zu Licht kosmische Gas- und Staubwolken, sind also auch aus weit entfernten galaktischen Regionen messbar.
Es gibt zwei gegenläufige Strategien:
· eine gezielte Suche mit hoher Empfindlichkeit bei nahen Sternen,
· eine weniger empfindliche Durchmusterung von großen Himmelsarealen mit vielen Sternen.
Eine Kompromisslösung ist die Suche in dichten Sternfeldern, das heißt in speziellen Bereichen der Galaktischen Ebene, Sternhaufen und benachbarten Galaxien. Mit 100 sorgfältig ausgewählten Zielregionen lassen sich Millionen von Sternen in der Milchstraße und Milliarden in anderen Galaxien sehr effektiv durchmustern.
Das neue Allen Telescope Array wird abwechselnd alle drei Strategien verfolgen. Eine Million Sterne werden so genau anvisiert, dass Radarsignale dortiger Zivilisationen noch in 1000 Lichtjahren Entfernung entdeckt würden, wenn sie so stark sind wie die vom irdischen Arecibo-Teleskop auf Puerto Rico. Hinzu kommen weitere vier Milliarden Sterne in der inneren Galaktischen Ebene und mindestens 250 000 extragalaktische Radioquellen.





