Es gibt zwei gängige Theorien zur Entstehung besonders massereicher Sterne: Die eine besagt, dass die Ursprungswolke sich aufteilt und einige kleine Kerne bildet, die von selbst kollabieren und schließlich Sterne bilden. Die andere ist dagegen etwas spektakulärer: Die gesamte Wolke beginnt zu kollabieren, wodurch Materie in Richtung des Zentrums der Wolke fließt und dort einen oder mehrere massereiche Riesensterne bildet.
Der „kleine Große” verleibt sich die umgebende Wolke ein
„ Die ALMA-Beobachtungen machen die eindrucksvollen Details der Bewegungen des faserigen Netzwerks aus Staub und Gas sichtbar und zeigen, dass eine riesige Menge Gas in eine zentrale, kompakte Region strömt”, sagt Co-Autorin Ana Duarte Cabral vom Laboratoire d’Astrophysique de Bordeaux in Frankreich. Diese Beobachtung spricht also für die Theorie des globalen Kollapses der Wolken bei der Bildung massereicher Sterne und gegen den Prozess der fragmentierenden Wolke.
Diese Erkenntnisse bei so einem spektakulären Exemplar machen zu können, sei ein besonderer Glücksfall, so Pretto: „Obwohl wir schon zuvor davon ausgegangen waren, dass diese Region ein guter Kandidat für eine Wolke ist, die massereiche Sterne hervorbringen kann, haben wir nicht erwartet einen so massereichen Protostern in ihrem Zentrum zu finden. „Wir schätzen, dass aus diesem Objekt ein Stern mit bis zu hundertfacher Sonnenmasse wird. Nur ungefähr einer aus zehntausend Sternen in der Milchstraße erreicht so eine hohe Masse!” Den Forschern zufolge sind solche Sterne nicht nur selten, ihre Geburt verläuft auch extrem schnell und ihre Kindheit ist kurz. Deshalb sei der Fund eines so massereichen Objektes so früh in seiner Entwicklung ein besonders spannendes Ergebnis.
Die Beobachtungen waren Teil der frühen Phase wissenschaftlicher Beobachtungen von ALMA und nutzten nur ein Viertel der gesamten Antennenanordnung, sagen die Forscher. „Wir haben es geschafft diese sehr detaillierten Beobachtungen mit nur einem Bruchteil des endgültigen Potentials von ALMA zu erhalten”, schließt Peretto. „ALMA wird unser Wissen über Sternentstehung auf jeden Fall revolutionieren und einige der derzeitigen Fragen beantworten, aber sicherlich auch wieder neue aufwerfen”, so der Astronom.





