Im Tod vereint
“Aus diesem Grund gibt es bis heute keine eindeutigen Belege für einen sexuellen Dimorphismus bei den Dinosauriern”, erklärt Evan Saitta von der University of Bristol. Doch nun ist dem Paläontologen der Zufall – oder besser gesagt das Ausgrabungsglück – zu Hilfe gekommen. Denn bei Grabungen im US-Bundesstaat Montana stießen er und seine Kollegen auf fünf neue Exemplare der Art Stegosaurus mjosi. Typisch für diese Dinosaurier sind eine Reihe von aufrecht stehenden Platten auf dem Rücken und zwei Paare von langen Stacheln an der Schwanzspitze. Nähere Untersuchungen zeigten, dass alle fünf Exemplare vor rund 150 Millionen Jahren zur gleichen Zeit starben, sie liegen eng nebeneinander in der gleichen Gesteinsschicht, wie der Forscher berichtet. Das Besondere dabei: Einige dieser Stegosaurier tragen breite, abgerundete Rückenplatten, bei den anderen sind sie kleiner und eher langgestreckt.
Um herauszufinden, was hinter diesen Unterschieden steckt, analysierte Saitta sowohl das physiologische Alter als auch andere Skelettmerkmale der Fossilien. Dadurch konnte er verschiedene gängige Erklärungsmöglichkeiten prüfen – und größtenteils ausschließen. Wie er erklärt, spricht das Fehlen von Zwischenformen und -größen beispielsweise dagegen, dass es sich um eine nicht geschlechtsbedingte innerartliche Variation handelt. “Dann würde man solche Zwischenformen erwarten”, so Saitta. Weil beide Varianten zudem bei eindeutig ausgewachsenen Tieren auftreten, kann es sich auch nicht um altersbedingte Unterschiede handeln. “Platten beider Formen finden sich sowohl bei sexuell ausgereiften, jungen Erwachsenen als auch bei älteren Adulten”, berichtet der Forscher. “Eine Form könne daher nicht einfach die unreife Variante der anderen sein.”
Keine verschiedenen Arten
Und die breiten und schmalen Rückenplatten gehörten auch nicht zu zwei verschiedenen Arten von Stegosauriern, wie Saitta erklärt. “Die Position der Funde deutet darauf hin, dass die Individuen gemeinsam starben”, so der Forscher. Das spreche dafür, dass sie auch zu Lebzeiten miteinander koexistierten und wahrscheinlich eine soziale Gruppe bildeten. Würden sie zu zwei verschiedenen Arten gehören und trotzdem am gleichen Ort zur gleichen Zeit vorkommen, dann müsste es weitere Unterschiede bei den Fossilien geben. Denn eine solche Koexistenz verschiedener Arten funktioniert nur dann, wenn beide eine leicht unterschiedliche Nische realisieren – beispielsweise indem sie eine andere Nahrung fressen. “In einem solchen Fall würden wir bei den Fossilien Merkmale erwarten, die diese Einnischung widerspiegeln”, sagt Saitta. “Aber stattdessen bestand der einzige Unterschied zwischen den Fossilien in den Rückenplatten.”
Nach Ansicht von Saitta lässt dies nur einen Schluss zu: Bei den Stegosauriern mit den verschiedenen Rückenplatten handelt es sich um Männchen und Weibchen – und damit um den ersten eindeutig dokumentierten Fall von Geschlechtsdimorphismus bei Dinosauriern. “Wenn alle alternativen Hypothesen ausgeschlossen sind, dann ist der sexuelle Dimorphismus die wahrscheinlichste Erklärung”, so der Forscher. Zwar lässt sich bisher nicht feststellen, wer welche Platten trug, aber Saitta wagt eine Vermutung: “Da Männchen typischerweise mehr in ihre Ornamentierung investieren, stammen die breiteren, größeren Platten wahrscheinlich von Männchen.” Der auffallende Rückenkamm könnte ihnen zum Imponieren und zum Anlocken von Weibchen gedient haben. Die Weibchen trugen dagegen schmalere Platten, die zwar weniger hermachten, aber eine gute Verteidigung gegen Raubsaurier gewesen sein könnten.





