Beteigeuze ist einer der hellsten Sterne an unserem Nachthimmel – er leuchtet prominent als einer der Schultersterne des Sternbilds Orion. Der rund 700 Lichtjahre entfernte Stern hat den rund 700-fachen Durchmesser der Sonne und eine im sichtbaren Licht zehntausendmal größere Leuchtkraft. Seine Temperatur und rötliche Farbe verraten, dass es sich bei Beteigeuze um einen Roten Überriesen handelt – einen stark aufgeblähten Stern am Ende seines Lebenszyklus. Am Schluss wird der Stern seine äußeren Hüllen ausschleudern und in einer Supernova enden. Wann diese Sternexplosion allerdings erfolgen wird, können auch die Astronomen nicht genau vorhersagen, weil bislang nur wenige Sterne kurz vor ihrer Supernova beobachtet worden sind. Es könnte theoretisch in wenigen Monaten passieren oder aber erst in hunderttausend Jahren. Wenn Beteigeuze aber explodiert, wird er so hell aufleuchten, dass dies selbst tagsüber am Himmel zu sehen sein wird.
Warum hat sich Beteigeuze verdunkelt?
Als ein mögliches Vorzeichen einer Supernova gilt eine starke Ausdehnung verbunden mit einer deutlichen Abdunklung des Sterns. Entsprechend groß war die Aufmerksamkeit der Astronomen weltweit, als Beteigeuze sich ab Dezember 2019 stark zu verdunkeln begann. Im Verlauf weniger Wochen sank seine Helligkeit um zwei Drittel – dieses Abdimmen des Sterns war sogar mit bloßem Auge am Nachthimmel sichtbar. Die Ursache dieser Verdunklung blieb jedoch unklar. Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile zeigten, dass der Stern ungleichmäßig abgedimmt war. Das könnte beispielsweise auf eine verhüllende Staubwolke hindeuten. Aufnahmen mit dem Atacama Pathfinder Experiment (APEX) deuteten zudem darauf hin, dass auch die Temperaturverteilung auf der Sternenoberfläche ungleichmäßig ist. Das ließ die Astronomen auch Sternenflecken als mögliche Ursache in Betracht ziehen.
Jetzt liefern Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble neue, entscheidende Informationen. Das Teleskop nimmt Beteigeuze regelmäßig mit seinem UV-Spektrografen ins Visier. Die spektrale Analyse dieser energiereichen Strahlung erlaubt es, Vorgänge sichtbar zu machen, die in der heißen Atmosphäre über der Sternenoberfläche ablaufen. In den Aufnahmen vom September bis November 2019 zeigten sich tatsächlich Auffälligkeiten, wie Astronomen um Andrea Dupree vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics berichten. Die UV-Spektren deuteten auf eine nach außen gerichtete Druckwelle und den Auswurf einer hellen und dichten Plasmamasse aus dem Sterneninneren hin. “Mit Hubble sahen wir, wie das Material die sichtbare Oberfläche des Sterns verlässt und sich durch die Atmosphäre bewegt”, berichtet Dupree. “Wir konnten den Effekt einer dichten, heißen Region im südöstlichen Teil des Sterns sehen, die sich nach außen bewegt. Dieses Material war zwei- bis viermal heller als die normale Helligkeit des Sterns.”





