Starke und gesunde Zähne - wissenschaft.de | Bild der Wissenschaft
natur PlusGesundheit & Medizin
Starke und gesunde Zähne
Wer sein Gebiss pflegt, hat gut lachen. Nicht nur weil dies langwierigen Zahnarztbehandlungen vorbeugt. Die Mundgesundheit hat Einfluss auf den ganzen Körper. Aber wie halten wir Karies und Parodontitis vom Gebiss fern?
Sie haben noch 1 von 3 kostenlosen Artikeln übrig2/3
Text: Monika Holthoff-Stenger
Putzen Sie regelmäßig die Zähne? Als ideal gilt zweimal täglich Putzen mit fluoridhaltiger Zahncreme, Interdentalbürstchen für die Zwischenräume, ein- bis zweimal pro Jahr eine professionelle Zahnreinigung und alle sechs Monate ein Check beim Zahnarzt. Ich verwende tatsächlich viel Zeit auf Zahnpflege. Trotzdem ist es passiert: Als ich kürzlich dem Badezimmerspiegel die Zähne zeigte, bleckte mich auf einem der gespiegelten Schneidezähne ein kleiner brauner Fleck an. Karies!
Zähne sind unverzichtbar. Ohne sie hätten wir Schluckprobleme, müssten beim Sprechen lispeln und könnten so herrliche Nahrungsmittel wie Obst, ein saftiges Steak oder knackiges Gemüse nur als Brei verzehren. Aber müssen sie so empfindlich sein?
Von Natur aus sind unsere 28 Zähne – 32 mit Weisheitszähnen – gut für ein langes Leben gerüstet. Das Mineral Kalziumphosphat macht die sichtbare äußere Hülle des Zahns, den Zahnschmelz, zum härtesten Material im Körper. Gleichzeitig sind Zähne leicht, fest und schadenstolerant – der Traum jedes Materialforschers und bislang unnachahmbar. Dass ein Zahn selbst dann nicht bricht, wenn ein Gewicht von bis zu 80 Kilogramm auf ihm lastet, liegt an der gitterförmigen Struktur des Schmelzes. Entsteht doch einmal ein Riss, verzweigt er sich so lange, bis das Gitter ihn stoppt. „Trotz ihrer harten Schale sind Zähne keine tote Materie, sondern lebendige Organe“, betont der Tübinger Zahnarzt Dominik Nischwitz. Im Kern eines jeden Zahns befindet sich auf kleinstem Raum alles, was ein Organ ausmacht: pulsierende Blutgefäße, Lymphe, ein Nerven- und ein Immunsystem. Die Zähne sind darüber mit dem Rest des Körpers verbunden (siehe Grafik S. 68).
Wir produzieren 1,5 Liter Speichel täglich
Zu ihrem eigenen Schutz baden Zähne beständig in Speichel. Bis zu 1,5 Liter produzieren die mehr als 1000 Speicheldrüsen in unserem Mund täglich. Spucke ist ein besonderes Wasser: Sie spült Nahrungsreste von den Zähnen, neutralisiert Säure und versorgt die Zahnhartsubstanz (also Zahnschmelz, Zahnbein und Zahnzement) mit Mineralien und Nährstoffen. Speichelbestandteile bilden zudem einen hauchdünnen Gleitfilm auf den Zahnflächen. Er schützt den Zahn vor Abnutzung und Mineralverlust. Außerdem bietet der Film Bakterien Halt auf der glatten Zahnoberfläche. Unsere Mundhöhle ist voll davon. Durchschnittlich 250 von mehr als 700 bekannten Bakterienspezies leben hier ständig. An der Zahnoberfläche organisieren sie sich in einem sogenannten Biofilm, den wir als Zahnbelag oder Plaque wahrnehmen. In einer gesunden Mundhöhle richtet der Zahnbelag keinen Schaden an. Im Gegenteil: Die meisten Mitglieder der Bakterien-WG sind gut für uns und unsere Zähne. Sie hemmen Entzündungen, neutralisieren Säuren, helfen dabei, den Zahn zu remineralisieren und Krankheitserreger abzutöten. Manche unterstützen nicht nur die Mundgesundheit: Sie verstoffwechseln etwa Nitrat aus Obst und Gemüse zu Nitrit. Dieses wird dann in Stickstoffmonoxid umgewandelt – einen Stoff, der dazu beiträgt, den Blutdruck zu regulieren. Nur zwei bis drei Prozent der Mundmikroben haben das Potenzial, Karies oder Parodontitis zu verursachen. Die wichtigsten sind Streptococcus mutans und Laktobazillen sowie Porphyromonas gingivalis. Sie werden von den nützlichen Bakterien in Schach gehalten und können keinen Schaden anrichten.
Mehr aus Gesundheit & Medizin
Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Gesundheit & Medizin.
Trotzdem haben die meisten Menschen kranke Zähne oder krankes Zahnfleisch. Allein in Deutschland leiden 98 Prozent an Karies, ermittelte die fünfte Mundgesundheitsstudie aus dem Jahr 2016. 90 Prozent sind an einer Gingivitis, einer Zahnfleischentzündung erkrankt, die sich unbehandelt zur Parodontitis entwickelt. Mit dieser Krankheit, die den Kieferknochen schädigt und zu Zahnausfall führen kann, plagen sich mehr als die Hälfte der Erwachsenen über 35 Jahre herum.
Die Mär von Karies und Baktus
Sind die Zahnprobleme mangelnder Mundhygiene geschuldet? Schließlich haben Eltern und Zahnärzte uns von Kindesbeinen an eingetrichtert, dass die im Mund hausenden Monstermikroben Karius und Baktus Zähne auffressen, wenn wir sie nicht gründlich wegbürsten. Johan Peter Wölber glaubt nicht an die Saga aus einem norwegischen Kinderbuch der 1940er Jahre. Der Zahnarzt, Ernährungsmediziner und wissenschaftliche Mitarbeiter an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie an der Universität Freiburg interessiert sich besonders für den Zusammenhang von Ernährung, Zahnkrankheiten sowie oraler und allgemeiner Gesundheit. Er sagt: „95 Prozent der Deutschen pflegen ihre Zähne regelmäßig. Karies und Parodontitis lassen sich nicht allein mit der Zahnbürste besiegen.“ Dass die meisten Menschen trotzdem daran glauben, hat historische Gründe.
Lange vor „Karius & Baktus“ schob man Bakterien die Schuld für Krankheiten der Zähne und des Zahnfleisches in die Schuhe. In den 1880er Jahren kam der amerikanische Zahnarzt Willoughby Dayton Miller den Ursachen für Karies auf die Spur. In seiner „chemoparasitären Theorie“ legte er dar, dass Bakterien der Mundflora Kohlenhydrate zu Säuren abbauen, die ihrerseits zur Entkalkung des Zahnschmelzes führen, so dass Bakterien in den Zahn eindringen und die Zahnhartsubstanz zerstören können. Millers Theorie war stark von den Postulaten des Infektiologen Robert Koch geprägt, bei dem er damals in Berlin Medizin studierte. Sie besagen, dass jede Bakterienart eine bestimmte Krankheit auslöst. Eliminiert man das Bakterium, verschwindet auch die Krankheit. Dieser Logik folgend, entwickelte Miller eine desinfizierende Zahnpasta, die die Übeltäter ausmerzen und die „Infektionskrankheit“ Karies heilen sollte.
Dieses Vorgehen ist bis heute der Kern jeder zahnmedizinischen Prophylaxe: Um Bakterien zu eliminieren, entfernen wir täglich Zahnbeläge, schlucken Fluoridpräparate in jeglicher Form, nutzen Mundspüllösungen, Antiseptika, antibakterielle Peptide, Silberionen zum Abtöten von Keimen und sogar Antibiotika. Tatsächlich sind unsere Kauwerkzeuge heute etwas gesünder als noch vor drei Jahrzehnten. Das verdanken wir aber nicht den antibakteriellen Maßnahmen, sondern dem Fluorid in der Zahnpasta.
Bei Fluorid – nicht zu verwechseln mit dem giftigen Fluor – handelt es sich um ein Spurenelement, das überall in der Umwelt vorkommt, auch im Wasser und in Lebensmitteln. Bereits 1802 fanden Forscher heraus, dass sich in menschlichen Zähnen Fluoride befinden; 1850 konnten Wissenschaftler nachweisen, dass fluoridhaltiger Schmelz säureresistenter ist. 1951 kam in der BRD die erste fluoridhaltige Zahnpasta auf den Markt. Heute wissen Forscher im Detail, wie das Spurenelement die Zähne vor Karies schützt: Kommt Fluorid mit der Zahnoberfläche in Kontakt, lagert es sich selbst in den Schmelz ein. Außerdem erleichtert es den Einbau von Mineralien und legt sich wie ein Film auf den Zahn, so dass Säuren gar nicht erst bis zum Schmelz durchdringen können. „Eine gute fluoridhaltige Zahnpasta trägt wesentlich dazu bei, vor Karies zu schützen“, sagt Wölber. Doch auch Fluorid bekämpft die Keime nur unzureichend. Egal mit welchen Wirkstoffen wir den Bakterien im Mund zu Leibe rücken: Sie kommen immer wieder.
Wie man Karies und Parodontitis besser vorbeugen und behandeln kann, wird klar, wenn man einen neuen Blick auf die Mundhöhle wirft. Anfang der 2000er Jahre suchte und fand der britische Mikrobiologe Philip Marsh in seiner „ökologischen Plaquehypothese“ eine andere Erklärung für Zahn- und Zahnfleischprobleme: Verändert sich der pH-Wert an der Zahnoberfläche, etwa durch ständigen Konsum säurehaltiger Getränke, bricht das mikrobielle Gleichgewicht im Mund zusammen. Das zeigte Marsh in einem anschaulichen Experiment: Er füllte eine Mischung aus vielen verschiedenen Mundkeimen in einen Bioreaktor – einen Behälter also, in dem Mikroorganismen kultiviert werden. Anschließend veränderte er nur den pH-Wert. Reines Wasser hat einen neutralen pH-Wert von 7. Apfelsaft liegt bei sauren 3,5, Spinat bei basischen 14.
Erzeugte Marsh ein saures Milieu, vermehrten sich Kariesbakterien stark und verdrängten andere Arten. Ließ er den pH-Wert über 7 steigen, nahmen Parodontitiskeime überhand. „Genau das passiert auch in unserer Mundhöhle, wenn wir täglich Zucker, säurehaltige Getränke wie Obstsaft oder Kohlenhydrate in Form von Brot, Fruchtjoghurt und Fertiggerichten wie Tiefkühlpizza zu uns nehmen, wie in der westlichen Welt üblich“, erklärt Wölber.
Auch Mundtrockenheit und Medikamente wie Antibiotika lassen das mikrobielle Gleichgewicht zugunsten der schädlichen Kariesbakterien kippen. Sie verwandeln Zucker in Säure und verstärken so das saure Milieu. Sinkt der pH-Wert schließlich unter einen Wert von 5,5, lösen sich Mineralien wie Kalzium und Phosphat aus dem Zahnschmelz. Durch den porösen Schmelz können Bakterien ins Zahninnere vordringen. Dort schreitet die Demineralisierung schneller voran, denn im Dentin liegt der kritische pH-Wert über 6.
Übergewicht und Stress fördern Parodontitis
Parodontitiskeime verstoffwechseln zwar keine Kohlenhydrate und produzieren auch keine zahnschädigende Säure. Aber Zucker hilft ihnen trotzdem dabei, zu erstarken: Er begünstigt Entzündungen im Mund, auf die das Immunsystem mit der verstärkten Produktion von sogenanntem Sulkusfluid reagiert. Es wird zwischen Zahn und Zahnfleisch ausgeschüttet – exakt dort, wo Parodontitiskeime leben, denn sie mögen es sauerstoffarm und warm. Die eiweißreiche Flüssigkeit liefert ihnen die perfekte Nahrungsgrundlage. Sie verstoffwechseln das Eiweiß zu Ammoniak und stellen so das basische Milieu her, in dem sie sich am wohlsten fühlen. Bestimmte Umweltfaktoren verbessern ihre Lebensbedingungen zusätzlich: Diabetes, Übergewicht und Stress, weil sie die Entzündungsbereitschaft des Körpers erhöhen. Und Rauchen, weil Nikotin die kleinen Blutgefäße verengt und den Sauerstoffpegel in den Zahnfleischtaschen weiter senkt.
Marsh zog aus seinen Beobachtungen einen wichtigen Schluss für die Therapie von Karies und Parodontitis: Die beiden Krankheiten können gestoppt werden, wenn man das mikrobielle Gleichgewicht in der Mundhöhle wiederherstellt. Wie das funktioniert? „Am besten über die Nahrung“, ist Zahnarzt Johan Wölber überzeugt. „Denn mit jeder Mahlzeit entscheiden wir, ob wir die nützlichen oder die schädlichen Mundbewohner füttern“ (siehe Interview S. 76).
Wie eine mundgesunde Ernährung aussehen könnte, beobachteten Forschende des Zentrums für Zahnmedizin der Universität Zürich bereits 2007 bei einem Steinzeitexperiment des Schweizer Fernsehens. Für eine Reportage sollten zehn Freiwillige vier Wochen lang unter Steinzeitbedingungen leben. Dazu gehörte außer dem Verzicht auf Mundhygiene auch eine steinzeitgemäße Ernährung: also komplexe Kohlenhydrate aus Gemüse und Obst, hochwertige Fette aus Nüssen und Samen, Fisch und nur wenig Fleisch. Die Forschenden glaubten damals, schon vorab zu wissen, dass die Teilnehmer schwere Zahnfleischentzündungen und Karies entwickeln würden. Doch das Gegenteil trat ein: „Die Probanden hatten zwar viel mehr Zahnbelag, aber auch eine bessere Mundgesundheit als vorher“, berichtet Stefan Baumgartner, Autor der Studie zum Steinzeitexperiment.
Von einer mundgesunden Ernährung profitiert freilich nicht nur das Gebiss, sondern der gesamte Körper. Denn Zähne stehen in enger Wechselwirkung mit dem restlichen Körper: An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch. Wenn der Tübinger Zahnarzt Dominik Nischwitz illustrieren will, wie sehr der Zustand der Zähne und des Zahnfleisches die Körpergesundheit beeinflusst, erzählt er, wie der brasilianische Fußballnationaltrainer Vicente Feola 1958 die Weltmeisterschaft in Schweden gewann. Um seine Mannschaft fit für das anstrengende Turnier zu machen, griff Feola zu unorthodoxen Mitteln: Er schickte das gesamte Team zum Zahnarzt. Insgesamt wurden 470 Zähne behandelt, von denen 32 so krank und entzündet waren, dass sie gezogen werden mussten. Als die Brasilianer den Wettkampf antraten, hatten sie unter allen Teilnehmern die gesündesten Gebisse. Vor allem aber gewannen sie trotz der kräftezehrenden Vorrunden die Weltmeisterschaft so souverän und überlegen wie keine andere Mannschaft zuvor. Feolas Methoden erschienen damals verwunderlich. Heute könnte man dem Trainer zahlreiche Studien in die Hand drücken, die belegen, dass seine Intuition richtig war. „Gesundheit und bestmögliche Fitness sind nur dann möglich, wenn auch die Zähne und die Mundhöhle in Ordnung sind“, sagt Dominik Nischwitz.
Als Spezialist für biologische Zahnmedizin begreift Nischwitz die Mundhöhle und den restlichen Körper als ein zusammenhängendes System – und nicht als zwei getrennte Sphären, wie viele traditionelle Zahn- und Allgemeinmediziner. „Geht es dem Körper nicht gut, dann leiden auch die Zähne. Leiden die Zähne, dann macht sich das auch immer im Rest des Körpers bemerkbar.“ Obwohl die Forschung immer neue Zusammenhänge zwischen Zähnen und Körper entdecke, komme dieses Wissen in der Praxis noch viel zu selten an, erklärt Nischwitz: „Ein Allgemeinmediziner schaut nur selten nach der Mundhöhle, und der Zahnarzt betrachtet sie vor allem aus handwerklicher Sicht. Damit vertun wir die Chance, die Ursache für viele Erkrankungen rechtzeitig zu entdecken.“
Entzündungen häufig in der Mundhöhle
Heute weiß man, dass die meisten chronischen Krankheiten eine Folge von anhaltenden, stillen Entzündungen im Körper sind. Solche Entzündungen kommen in der Mundhöhle besonders häufig vor: Sie verstecken sich an Zahnwurzelspitzen, in Zahnfleischtaschen, in kariösen oder toten Zähnen, um Implantate herum oder in den Höhlen, die übrig bleiben, wenn ein Zahn entfernt werden musste.
Jedes Mal, wenn wir die Zähne putzen, harte Lebensmittel essen oder die Zähne professionell reinigen lassen, löst sich ein Teil der Bakterien von den Zähnen, wird verschluckt oder gelangt über andere Wege in den Blutkreislauf. Normalerweise kann das Immunsystem gut damit umgehen, aber bei Menschen mit Karies oder Parodontose wird das Problem chronisch. Dann wandern potenziell schädliche Bakterienarten und Entzündungsbotenstoffe in viel größerer Zahl in den Blutkreislauf als normal üblich und schädigen den Körper. „Sie befeuern zum Beispiel Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Morbus Crohn oder Rheuma. In der Schwangerschaft erhöhen sie das Risiko für eine Frühgeburt und ein niedrigeres Geburtsgewicht“, erläutert Nischwitz.
Auch Zusammenhänge mit Depressionen, Erektionsstörungen oder Alzheimer-Demenz sind inzwischen belegt. Eine US-amerikanische Studie lieferte 2019 Hinweise, dass der Parodontitiskeim P. gingivalis ins Gehirn eindringen kann und dort aktiv Entzündungen sowie die Produktion von Enzymen fördert, die die Ansammlung von Tau-Protein und β-Amyloid begünstigen – Proteine, die für die Entstehung der Alzheimerkrankheit eine zentrale Rolle spielen. Die Entzündungsbotenstoffe fördern zudem die Entwicklung von Bluthochdruck und die Verkalkung der Gefäße. Eine britische Forschergruppe zeigte 2020 in einer großen Übersichtsarbeit, dass das Risiko für Bluthochdruck bei Patienten mit mittlerer bis schwerer Parodontitis um 22 Prozent höher war. Wurden nur die schweren Fälle einberechnet, stieg das Risiko sogar um 49 Prozent. „Wenn Bakterien weiter ins Herz wandern, können sie sich dort an den Innenhäuten und Klappen festsetzen und gefährliche Entzündungen auslösen“, warnt Nischwitz. Auch künstliche Gelenke nehmen mitunter Schaden: Parodontitisbakterien können dort schwere Entzündungen hervorrufen. Vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem drohen Lungenentzündungen, wenn die Bakterien aus der Mundhöhle eingeatmet werden. „Umgekehrt können aber auch zahlreiche der genannten Erkrankungen das Risiko für Parodontitis erhöhen“, sagt Nischwitz.
Es bewegt sich etwas
Parodontitis und Karies sind nur zwei von vielen Faktoren, die bei sonst gesunden Menschen zu Krankheiten führen können. Dominik Nischwitz hofft, dass die neuen Erkenntnisse einen stärkeren Austausch zwischen den beteiligten Fachbereichen der Medizin bewirken. Die gute Nachricht: Langsam bewegt sich etwas. Zwischen Kardiologen und Zahnmedizinern nimmt die Zusammenarbeit gerade Fahrt auf. In einem Konsensuspapier hat im Jahr 2020 erstmals eine Expertenkonferenz zwischen europäischen Kardiologen der World Heart Federation (WHF) und europäischen Parodontologen der European Federation of Periodontology (EFP) die neuesten Erkenntnisse über die Zusammenhänge zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Parodontitis beleuchtet und eine Reihe von praxisrelevanten Empfehlungen für Zahnärzte, Ärzte und Patienten verabschiedet. Ein großer Schritt auf dem Weg zu einem rundherum gesunden Körper.
Gesundheit & Medizin
Forscher verändern Gene menschlicher Embryos
10. Juni 2026
Chance und Risiko zugleich: Eine neue Methode der Gen-Editierung könnte helfen, krankmachende Mutationen und Erbkrankheiten schon beim…
Gesundheit & Medizin
Wie Neandertaler-Gene unsere Reaktion auf DNA-Viren prägen
9. Juni 2026
Rund zwei Prozent des Erbguts heutiger Europäer stammen von Neandertalern. Die archaischen Genvarianten beeinflussen unter anderem unser…