Dass der Fixsternhimmel nicht unveränderlich ist, sondern sich wandelt, hat als erster Mensch wohl der dänische Astronom Tycho Brahe erkannt, als er die Entfernung des am 11. November 1572 im Sternbild Cassiopeia neu entflammten Sterns abschätzte. Inzwischen gehört es zum Lehrbuchwissen der Astronomie, dass solche Supernovae nicht die Geburten neuer, sondern im Gegenteil das Ende alter, ausgebrannter Sterne sind. Ebenfalls zur astronomischen Allgemeinbildung zählt, dass bei solchen gigantischen Sternexplosionen die schwersten Elemente erzeugt und ins All geblasen werden – so entstanden zum Beispiel die Eisen-Atome in unseren roten Blutkörperchen. Wie und warum es aber zu diesen Extrem-Ereignissen kommt, beginnen die Wissenschaftler gerade erst zu verstehen. Dabei helfen ihnen die leistungsfähigsten Computer der Welt.
„Die Gründe für unsere Verständnisprobleme sind vielfältig”, resümierte Hans-Thomas Janka in einem glänzenden Übersichtsvortrag auf der diesjährigen Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft in Heidelberg: „Die Masse und der Anteil der schwereren Elemente im Vorläuferstern schwanken stark. Und es gibt weitere Effekte durch Rotation, Magnetfelder, Nachbarsterne und den Masseverlust aufgrund von Sternwinden. Das führt zu einer großen Variabilität der Explosionen.” Der Forscher am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching zählt mit dem dortigen Direktor Wolfgang Hillebrandt und seinem Team zu den weltweit führenden Experten der Supernova-Forschung. Mit Höchstleistungsrechnern versuchen die Wissenschaftler seit Jahren, den brachialsten Ereignissen seit dem Urknall auf die Schliche zu kommen. Janka: „Wir wollen wissen, wie und warum Sterne explodieren, welche Eigenschaften die Überbleibsel haben und welche überprüfbaren Voraussagen sich machen lassen für Messungen von Lichtkurven, schweren Elementen, Neutrinos und Gravitationswellen.”
Der Kollaps vor der Explosion
Viele – aber nicht alle – Supernovae werden durch den Kollaps des ausgebrannten Kerns eines massereichen Sterns ausgelöst. Alle Sterne gewinnen ihre Energie durch die Verschmelzung von leichteren zu schwereren Elementen. Das beginnt mit der Fusion von Wasserstoff zu Helium. Mit der Zeit steigen Temperatur und Druck im Sternzentrum immer weiter an. Wenn schließlich der Kohlenstoff „zündet”, erreicht der Kern Temperaturen von einer Milliarde Grad Celsius. Immer mehr Neutrinos entstehen bei den Fusionsreaktionen und führen die Energie ab. Diese „ Geisterteilchen” treten nämlich kaum mit Materie in Wechselwirkung und können so fast mit Lichtgeschwindigkeit ins All entweichen, während die Strahlung sich den Weg zur Sternoberfläche mühsam erkämpfen muss. Der Stern- kern kompensiert den Energieverlust durch die Neutrinos, indem er seinen Brennstoff immer schneller verbraucht. Sterne vom mindestens Achtfachen der Sonnenmasse „ernähren” sich einige Dutzend Millionen Jahre lang von Wasserstoff, dann höchstens wenige Millionen Jahre von Helium und maximal einige Tausend Jahre von Kohlenstoff. Das darauf folgende Silizium-Brennen dauert bloß noch drei Wochen.
Übrig bleibt ein Eisen-Nickel-Kern von der Größe der Erde und etwa 1,5 Sonnenmassen. Da Eisen die energieärmsten Atomkerne hat, liefert die Fusion zu noch schwereren Elementen keine Energie mehr, sondern würde welche erfordern. Somit kommen die Kernverschmelzungsprozesse im ausgebrannten Sternkern rapide zum Erliegen. Daraufhin kollabiert der Stern. Der Eisenkern stürzt mit einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit zu einem heißen, dichten Proto-Neutronenstern zusammen, der nur etwa 30 Kilometer Durchmesser hat. Das geschieht in weniger als einer halben Sekunde. Dabei werden die frei beweglichen Elektronen gleichsam in die Protonen hineingedrückt und wandeln diese in Neutronen um, wobei ebenso viele Neutrinos entstehen. Soweit sind sich die Forscher einig. Doch wie kommt es unmittelbar nach dem Kollaps zur Explosion des Sterns, wenn doch die weiter außen gelegene Sternmaterie ebenfalls nach innen stürzt?
Als erfolgversprechender Auslöser galt der „Rückprall” des Proto-Neutronensterns. Denn aufgrund einer repulsiven Eigenschaft der Starken Wechselwirkung – der stärksten bekannten Naturkraft, die unter anderem die Atomkerne zusammenhält – verhärtet sich der Proto-Neutronenstern und schwingt zurück. Dieser Rückprall schlägt wie ein Hammer gegen das nachstürzende Gas. „Wir dachten zunächst, dass diese Kollision eine Stoßfront erzeugt, die die Supernova startet”, sagt Adam Burrows. „Das machte Sinn, aber es funktioniert nicht”, bedauert der Astrophysiker von der University of Arizona in Tucson. Denn die aktuellsten Rechnungen zeigen: Während sich die Stoßfront nach außen bewegt, werden die zuvor entstandenen Eisen-Atomkerne in freie Neutronen und Protonen gespalten, was viel Energie verschlingt. Derart geschwächt, kann die Stoßfront die nachstürzende Materie zwar aufheizen, aber nicht aufhalten. Wenn jetzt nichts weiter geschähe, würde der Proto-Neutronenstern durch den Aufprall einiger Zehntel Sonnenmassen Sternmaterie zu einem Schwarzen Loch kollabieren – zu einer Supernova käme es jedoch nicht.
Geisterteilchen als Treibstoff
Einen anderen Explosionsmechanismus haben Stirling Colgate und Richard White vom Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien schon 1966 vorgeschlagen: Die bei der Entstehung des Proto-Neutronensterns freigesetzten Neutrinos könnten die Energie liefern, die die äußeren Sternschichten ins All sprengt. Tatsächlich tragen diese Neutrinos das Hundertfache der kinetischen Energie der Explosion davon. Doch Computersimulationen in den Siebziger- bis Neunzigerjahren ergaben, dass dieses Neutrinoheizen nicht stark genug ist, um den Kollaps in eine Explosion zu verwandeln. Allerdings waren diese Rechnungen grob vereinfacht. Sie setzten Kugelsymmetrie voraus und ignorierten also Phänomene wie die Turbulenz des Gases und die Rotation des Sterns. Bei den komplexeren zwei- und dreidimensionalen Simulationen war das Ergebnis im Endeffekt freilich nicht besser: Im Computer entstand wiederum keine (simulierte) Supernova.
Das Problem ist freilich, dass auch die besten Rechnungen noch zu stark vereinfacht sind. Eine hinreichend detaillierte Simulation würde rund 1020 Fließkomma-Operationen und 1012 Byte Speicherplatz benötigen. „Selbst die heutzutage schnellsten Rechner mit mehreren Tausend Einzelprozessoren vermögen nur etwa 1012 Fließkomma-Operationen pro Sekunde auszuführen”, beschreibt Janka die Grenzen der Rechenkapazität. „Ein solcher Supercomputer müsste also an einer einzigen Simulation einige Jahre ununterbrochen arbeiten.” Die Komplexität der Rechenprozesse hat mehrere Gründe: Zum einen erstrecken sich die zu simulierenden Längen- und Zeitmaßstäbe über Größenordnungsbereiche von zehn Millionen. Ferner sind die thermonuklearen Brennvorgänge, der Neutrinotransport und die extremen Verhältnisse von Temperatur und Dichte äußerst kompliziert. Berücksichtigt man auch die Energien und Bewegungsrichtungen der Neutrinos, wird das vierdimensionale Strömungsproblem zu einem siebendimensionalen – und dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass es drei Arten von Neutrinos gibt, die sich zudem ineinander umwandeln können.
wie blasen in kochendem wasser
Immerhin zeigten die raffiniertesten Simulationen am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching sowie am Los Alamos National Laboratory in New Mexico, dass die von Neutrinos geheizte Sternmaterie von starken konvektiven Strömungen umgewälzt wird. Das ähnelt den Verhältnissen in einem Topf mit kochendem Wasser. Pilzförmige Blasen aus heißem Plasma steigen diesen Simulationen zufolge in dem kollabierenden Stern empor und können, zumindest unter bestimmten Bedingungen, zu einer asymmetrischen Explosion führen, die nicht kugel-, sondern keulenförmig abläuft. „Die daraus resultierende Verteilung der verschiedenen Elemente ähnelt jener, die mit Röntgenmessungen bei dem 300 Jahre alten Supernova-Überrest Cassiopeia A gewonnen wurde”, sagt Janka. Doch ob das Neutrinoheizen immer ausreicht, alle Kernkollaps-Supernovae zu erklären, ist nach wie vor sehr umstritten.
Adam Burrows hat mit seinem Team einen anderen Mechanismus vorgeschlagen: Schallwellen. Er ließ seine zweidimensionalen Modellrechnungen länger laufen als alle seine Kollegen zuvor, die nur bis etwa 200 Millisekunden nach dem Rückprall des Proto-Neutronensterns warteten. Dabei entdeckte Burrows, dass die auf den Proto-Neutronenstern einstürzende Sternmaterie diesen zum Schwingen anregt: „Im Computer begann er mit Frequenzen um 300 Hertz zu oszillieren.” In der musikalischen Notation entspricht das etwa dem eingestrichenen dis. Diese vom oszillierenden Proto-Neutronenstern ausgelösten Schallwellen führen, so die Idee, gleichsam zu einer Wiederbelebung der Stoßfront – vielleicht mit zusätzlicher Unterstützung durch die Neutrinoheizung – und daraufhin zur Sternexplosion. Künftige Gravitationswellen-Detektoren könnten dieses Modell überprüfen. Denn der oszillierende Proto-Neutronenstern wäre eine prominente Quelle bestimmter Gravitationswellen – der von Albert Einstein vorausgesagten Schwingungen der Raumzeit.
Als wäre die Modellvielfalt nicht schon groß genug, kommen noch weitere Explosionsmechanismen infrage. Einer besteht in der Umwandlung von Rotations- in magnetische Energie. Die meisten ausgebrannten Sternkerne rotieren langsamer als einmal alle Hundert Sekunden, doch manche scheinen sich über hundertmal schneller zu drehen. Das genügt, um eine extrem asymmetrische, aber dafür umso heftigere Sternexplosion auszulösen, bei der die Trümmer nur entlang der Rotationsachsen ins All geschleudert werden. Solche Hypernovae, bei denen vermutlich Schwarze Löcher entstehen, sind die Ursache von Gammastrahlen-Ausbrüchen, die Astrophysikern lange Zeit schweres Kopfzerbrechen bereitet haben (bild der wissenschaft 8/2001, „Kosmische Knaller”). Bei einem anderen Mechanismus wird ein Stern zerrissen, ohne dass ein kompakter Rest – ein Neutronenstern oder ein Schwarzes Loch – übrig bleibt. Dieser Mechanismus kann aber nur bei sehr massereichen Sternen – zwischen 140 und 260 Sonnenmassen – greifen, die zudem bei ihrer Entstehung nur sehr wenig schwere Elemente enthalten. Er ist heute daher sehr selten, war aber vermutlich im frühen Universum eher die Regel als die Ausnahme (bild der wissenschaft 6/2006, „Wie entstanden die ersten Sterne?” ). Hier erzeugen die Kernreaktionen im Sternkern Gammastrahlung, die sich in Elektron-Positron-Paare umwandelt: Aus Energie wird Materie, wie es Einsteins Formel E = mc2 beschreibt; und umgekehrt kann bei der Kernfusion auch Materie zu Energie werden. Durch die Paarerzeugung lässt der Strahlungsdruck im Sternzentrum plötzlich nach, der Stern kollabiert erst und wird dann sofort in einer gigantischen thermonuklearen Explosion zerfetzt.
„Solche Sterne von 100 bis 300 Sonnenmassen besitzen zum Zeitpunkt des Kollapses nicht Eisen in ihren Kernen, sondern Elemente wie Kohlenstoff und Sauerstoff, die noch nuklear brennen können. Diese Kernfusion zündet dann aufgrund des Temperaturanstiegs, der mit dem Kollaps einhergeht”, erläutert Hans-Thomas Janka. „Bei der Kernverschmelzung zu Nickel wird so viel Energie frei, dass der Stern auseinandergesprengt wird.”
Dabei entstehen gewaltige Mengen an schweren Elementen – beispielsweise mehr als 40 Sonnenmassen des Isotops Nickel-56. Durch dessen radioaktiven Zerfall leuchten die Sternentrümmer wochen- und sogar monatelang als extrem helle Supernova auf. Solche sogenannten Paarinstabilität-Supernovae hatten William A. Fowler vom California Institute of Technology in Pasadena und Fred Hoyle von der Cambridge University bereits 1964 vorhergesagt. Erstmals beobachtet wurde ein solcher Vorgang aber wohl erst am 18. September 2006. In jener Nacht entdeckte ein automatisches 45-Zentimeter-Teleskop auf dem Mount Fowlkes in Texas die Supernova SN 2006gy in der 240 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie NGC 1260. Während die meisten Sternexplosionen etwa drei Wochen lang heller werden und dann verblassen, nahm die Leuchtkraft von SN 2006gy 70 Tage lang immer weiter zu und strahlte mehr als 100 Tage lang stärker als jede andere Supernova zuvor. Im Maximum war sie 50 Milliarden Mal heller als unsere Sonne und zehnmal so hell wie ihre Heimatgalaxie. Diese leuchtkräftigste aller bekannten Supernovae ist Messungen des Chandra-Röntgenobservatoriums und Berechnungen eines Forscherteams um Nathan Smith von der University of California in Berkeley zufolge nur mit dem Paarinstabilität-Modell zu erklären. „Offenbar gibt es verschiedene Supernova-Mechanismen”, resümiert Thomas Janka. „Das würde die Vielfalt der beobachteten Erscheinungen verständlich machen.”
Fest steht jedenfalls, dass die ins All gesprengten und mit schweren Elementen angereicherten Gasfetzen den Rohstoff für die Entstehung neuer Sterne bilden. Dieser kosmische Materiekreislauf ist die Voraussetzung dafür, dass im Universum auch Planeten entstehen konnten – und schließlich sogar Leben und Intelligenz. ■
Rüdiger Vaas
Ohne Titel
· Sterne sind Feuerbälle aus Plasma – also aus ionisiertem Gas, dessen Elektronen sich von den Atomkernen gelöst haben.
· Sterne bestehen überwiegend aus Wasserstoff und Helium. Hinzu kommen schwerere Elemente – und zwar umso mehr, je länger die Sterne brennen und je später sie sich im Universum gebildet haben.
· Die ersten Sterne entstanden schon wenige 100 Millionen Jahre nach dem Urknall aus Dichteschwankungen im Urgas – vor über 13 Milliarden Jahren. Die letzten Sterne im All werden voraussichtlich erst in 100 Billionen Jahren verlöschen.
· Der Durchmesser der Sterne liegt zwischen 200 000 (Rote Zwerge) und 3 Milliarden Kilometern (Rote Überriesen), die Masse zwischen 0,07 und über 100 Sonnenmassen (bei den Sternen der ersten Generation vielleicht bis zu 300 Sonnenmassen). Eine Sonnenmasse beträgt 1,99 . 1030 Kilogramm, der Sonnendurchmesser 1,39 Millionen Kilometer. Die Leuchtkraft der Sonne beträgt 3,8 . 1026 Watt.
· Die Oberflächentemperaturen der Sterne liegen zwischen 2000 und 50 000 Grad Celsius (Sonne: 5500 Grad).
· Sterne erzeugen ihre Strahlungsenergie durch Kernfusion in ihrem Zentrum. Die Hauptreaktion besteht in der Verschmelzung von Wasserstoff zu Helium.
· Alle Elemente außer Wasserstoff, Helium sowie Spuren von Lithium, Beryllium und Bor sind im Inneren der Sterne oder bei deren Explosionen erbrütet worden – auch die Atome im Papier dieses Hefts.
· Die Lebensdauer von Sternen liegt zwischen weniger als drei Millionen und mehr als einer Billion Jahren. Je massereicher ein Stern ist, umso schneller „verbrennt” er seinen Rohstoff und umso kürzer scheint er dann auch. Unsere Sonne ist ein gut 4,6 Milliarden Jahre alter Durchschnittsstern, der noch knapp 7 Milliarden Jahre leuchten wird.
· Die meisten Sterne entstehen nicht einzeln, sondern in Paaren oder Gruppen (Doppel- und Mehrfachsterne).
· Im beobachtbaren Universum gibt es mindestens 1022 Sterne, in der Milchstraße über 100 Milliarden (1011). Der unserer Sonne nächste Stern ist Proxima Centauri mit einer Entfernung von 4,2 Lichtjahren (39,9 Billionen Kilometern).
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· Supernovae sind Sternexplosionen, die kurzfristig so hell aufleuchten wie eine ganze Galaxie.
· Vor einer Supernova kollabiert der ausgebrannte Kern des Sterns.
· Mit Supercomputern berechnen Astrophysiker, was Sternexplosionen antreiben könnte: Neutrinos, Schallwellen, über Magnetfelder angezapfte Rotationsenergie oder thermonukleares Brennen.
Ohne Titel
Astronomen unterscheiden mittlerweile diverse Arten von Sternexplosionen anhand der Eigenschaften ihres Spektrums. Die meisten entstehen durch den Kollaps eines Riesensterns (Supernova-Typen Ib, Ic, II, IIL, IIp und IIn). Viele der hellsten Supernovae (Typ Ia) sind hingegen thermonukleare Explosionen von Weißen Zwergsternen. Wenn diese Relikte ausgebrannter sonnenähnlicher Sterne, nur rund 11 000 bis 300 000 Kilometer groß, sich Materie von einem Nachbarstern einverleiben, beginnen in ihrem Inneren Kernfusionsreaktionen von Kohlenstoff und Sauerstoff zu schwereren Elementen. Turbulente thermonukleare Flammen entstehen, die den Stern in wenigen Sekunden zerreißen. Die Computersimulation des Flash Centers an der University of Chicago zeigt die ersten beiden Sekunden dieses Vorgangs. Die bis zu 10 Milliarden Grad Celsius heiße nukleare Asche (gelb) steigt an die Oberfläche, umhüllt sie und sprengt den Stern. Die Trümmer breiten sich dann mit einer Geschwindigkeit von über 10 000 Kilometer pro Sekunde ins All aus.
Ohne Titel
bdw hat sieben Rekordhalter der Sternenwelt ausgewählt. Sie begegnen Ihnen nach und nach im Verlauf unserer Titelgeschichte – unten gleich die beiden Ersten. Doch Vorsicht: Die Natur steckt voller Überraschungen! Schon morgen könnten Astronomen Sterne finden, die noch extremer sind. Und: Oft reichen die Messungen oder die Modelle zur Datenanalyse nicht aus, um hieb- und stichfeste Aussagen zu machen.
Der Grösste
Name: VY Canis Majoris
Entfernung: 5000 Lichtjahre
Sternbild: Großer Hund
Der Überriese ist mit 1,2 bis 1,5 Milliarden Kilometer Durchmesser oder 1800 bis 2100 Sonnenradien (genauere Messungen sind noch nicht möglich) der größte bekannte Stern. Er ist so gigantisch, dass in ihm unser Sonnensystem bis fast zur Saturn-Umlaufbahn Platz hätte. Könnte Licht entlang der Oberfläche von VY Canis Majoris kreisen, wären acht Stunden für eine Umrundung nötig. Rekordverdächtig ist auch der 3000 Lichtjahre entfernte Rote Überriese VV Cephei im Sternbild Kepheus mit 1600 bis 1900 Sonnenradien.
Der Hellste
Name: LBV 1806–20
Entfernung: rund 40 000 Lichtjahre
Sternbild: Schütze
Mit dem 38 000 000-Fachen der Leuchtkraft unserer Sonne ist der Überriese LBV 1806–20 vermutlich der absolut hellste Stern, den Astronomen bislang aufgespürt haben. Seine relative, das heißt scheinbare Helligkeit ist jedoch aufgrund seiner großen Entfernung und des absorbierenden interstellaren Gases und Staubs so gering, dass er sich nicht mit bloßem Auge sehen lässt. Einem anderen Sternmodell zufolge ist Cyg OB2–12 mit dem 6 000 000-Fachen der Sonnenleuchtkraft der Rekordhalter.
Der Schwerste
Name: Eta Carinae
Entfernung: 7000 bis 10 000 Lichtjahre
Sternbild: Schiffskiel
Mit wohl 100 bis 150 Sonnenmassen ist der Riesenstern Eta Carinae im offenen Sternhaufen Tr 16 der massereichste bekannte Stern. Er steht kurz davor, zur Supernova zu werden. Ungefähr dieselbe Masse könnte der 25 000 Lichtjahre entfernte Pistolenstern im Sternbild Schütze haben. Im frühen Universum leuchteten wahrscheinlich Sterne mit bis zu 300 Sonnenmassen – sie sind aber längst explodiert.
Der Leichteste
Name: Wolf 424B
Entfernung: 7000 bis 10 000 Lichtjahre
Sternbild: Schiffskiel
Mit wohl 0,05 Sonnenmassen (52 Jupitermassen) ist der Rote Zwerg Wolf 424B der masseärmste bekannte Stern. Ungefähr dieselbe Masse hat Gliese 570D im Sternbild Waage, 19,2 Lichtjahre entfernt. Im Gegensatz zu „echten” Sternen, die leichten Wasserstoff fusionieren, „verbrennen” die noch masseärmeren Braunen Zwerge lediglich in ihrem Anfangsstadium Deuterium (schweren Wasserstoff). Sie sind zwischen etwa 13 und 75 Jupitermassen schwer und in der Praxis oft von massereichen Planeten beziehungsweise leuchtschwachen Roten Zwergsternen kaum zu unterscheiden. Mit 0,013 Sonnen- oder 15 Jupitermassen ist OTS 44 der massereichste Braune Zwerg. Er befindet sich 550 Lichtjahre entfernt im Sternbild Chamäleon.
Der Älteste
Name: HE 1523–0901
Entfernung: 7500 Lichtjahre
Sternbild: Waage
Mit 13,2 Milliarden Jahren ist dieser Rote Riese in der Milchstraße der älteste bekannte Stern. Er muss sich bereits 500 Millionen Jahre nach dem Urknall gebildet haben, mit dem unser Universum entstand. Sein Alter wurde anhand seines Gehalts an radioaktivem Uran und Thorium bestimmt.
Der Schnellste
Name: PSR J1748–2446ad
Entfernung: 28 000 Lichtjahre
Sternbild: Schütze
Das binäre Radiopulsar-System PSR J1748–2446ad im Kugelsternhaufen Terzan 5 enthält den Neutronenstern mit der schnellsten Rotationsgeschwindigkeit. Er dreht sich 716,36-mal in der Sekunde (!) um seine Achse.
Der Kompakteste
Name: 4U 1820–30
Entfernung: 25 000 Lichtjahre
Sternbild: Schütze
Hinter dem Objekt 4U 1820–30 im Kugelsternhaufen NGC 6624 verbirgt sich das kompakteste Doppelsternsystem mit einem Neutronenstern. Er umkreist seinen alternden, bereits Helium verbrennenden Nachbarstern in nur elf Minuten einmal. Mit einem Abstand von knapp 130 000 Kilometern würden die beiden Himmelskörper bequem zwischen Erde und Mond passen.





