Einige Staaten wollen ihrer Pflicht zur Reduzierung des Brutto-Kohlendioxidausstoßes durch die Aufforstung von Wäldern nachkommen. Zu neuem Zündstoff auf der Weltklimakonferenz in Bonn könnte das Ergebnis eines britischen Forschers führen. Richard Betts vom UK Meteorological Office kommt in seinem Klimamodell zu dem Schluss, dass Wälder viel weniger zur Dämpfung der Klimaerwärmung beitragen als bisher gedacht. Das berichtet der New Scientist.
Insbesondere Kanada und Russland wollen ihre Tundren aufforsten, um dadurch die Forderungen des
Kyoto-Protokolls zu erfüllen. Ein mit jungem Wald bepflanzter Hektar Land kann pro Jahr mehr als 100 Tonnen Kohlendioxid aufnehmen. Doch Betts hat ausgerechnet, dass diese neuen Wälder das Klima gleichzeitig um einen Betrag erwärmen, der einem Kohlendioxidausstoß von 75 Tonnen pro Hektar entspricht, so dass nur eine Bruttoreduzierung von 25 Tonnen übrig bleibt. Für manche Regionen sagt sein Modell sogar eine Bruttoerwärmung durch das Anpflanzen neuer Wälder voraus.
Die Erwärmung wird dadurch verursacht, dass die dunklen, grünen Wälder das Sonnenlicht absorbieren. Heute sind die nördlichen Tundren dagegen zu einem großen Teil mit Schnee bedeckt, der das Sonnenlicht zurück in den Weltraum reflektiert. In Betts Modell wird dieser Effekt zum ersten Mal detailliert durchgerechnet.
Auch für weiter südlich gelegene Regionen hat sein Modell noch eine Relevanz. Für Westeuropa sagt Betts eine Halbierung des Reduktionseffektes gegenüber den bisherigen Annahmen voraus.
Axel Tillemans