Wer bislang Angst hatte, er könnte bei der nächsten Umkehr des Erdmagnetfeldes von Mikrowellen aus dem All gegrillt werden, braucht sich keine Sorgen mehr zu machen. Sollte der Geodynamo einmal verschwinden, bildet der Sonnenwind einen neuen Schutzschild für die Erde. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist.
Das Erdmagnetfeld ähnelt dem Feld eines Dipols, der ungefähr parallel zur Rotationsachse der Erde liegt. Es wechselt in unregelmäßigen Abständen die Polarität. Dann vertauschen sich magnetischer Nord- und Südpol, wobei der Dipolanteil des Feldes auf zehn Prozent seines heutigen Wertes absinkt. Die letzte Feldumkehr ist etwa 780.000 Jahre her. Seit etwa 2000 Jahren nimmt die Dipolstärke immer weiter ab, in den letzten hundert Jahren um fünf Prozent. Häufig ist daher die die Vermutung zu hören, das Erdmagnetfeld steuere einer erneuten Umkehr entgegen.
Welche Konsequenzen ein solches Ereignis für das Klima und die Lebewesen auf der Erde hat, war bislang unklar, denn unter anderem hält das Erdmagnetfeld energiereiche geladene Teilchen aus dem Weltall von der Erde ab. Wenn sich die Dipolstärke vermindert, so vermuteten Experten bisher, werden die Teilchen aus dem All von der Atmosphäre abgehalten und können nicht bis zum Boden vordringen. Womöglich könnten sie aber die Ozonschicht der Erde zerstören, so dass verstärkt schädliche UV-Strahlung bis zum Boden gelangt.
Guido Birk von der Universität München und seine Kollegen berechneten jetzt, dass die Erde im Falle einer Feldumkehr durch den Sonnenwind effektiv geschützt wird. Wenn der Geodynamo stottert, legt sich der Teilchenstrom von der Sonne so um die Erde, dass in der sonst unmagnetisierten Ionosphäre ein neues Magnetfeld induziert wird. Die Ionosphäre besteht aus ionisiertem Gas und reicht von 30 bis etwa hundert Kilometer Höhe. Das induzierte Feld sei fast so stark wie das Original-Erdmagnetfeld, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics. Ko-Autor Harald Lesch: “Wir waren sehr überrascht über die Effektivität dieses neuen Feldes.”
Ute Kehse





